Fussballverband Region Zürich

«Wir stagnieren auf einem Nullsummenspiel»

Andreas Baumann, seit August 2007 Leiter der Abteilung Schiedsrichter, trat am 1. Januar 2002 in eine FVRZ-Funktionstätigkeit ein. Die Würdigung des 15-Jahre-Dienstjubiläums gibt einen kleinen Einblick zur Person.

Erstmals einem Sportverein beigetreten ist Andreas Baumann als Zwölfjähriger. Kollegen überredeten ihn, beim damaligen Handballclub Wollishofen mitzumachen. Die Euphorie hielt sich indes in Grenzen: Beim ersten Meisterschaftsspiel erhielt Baumann einen Ball ins Gesicht, der ihn «groggy» gehen liess. Dies allerdings war nicht primär Ausschlag gebend, dass er sich nach eineinhalb Jahren dem Fussball zuwandte: «Damals in Herrliberg wohnhaft, war der Hin- und Rückweg zu und von den Trainings einfach extrem zeitraubend», erinnert sich der hier Porträtierte.

Verletzungsbedingter Wechsel
Fussball war der nächste Versuch – einer, der über nun viele Jahre hinweg Bestand hatte und weiterhin hat. Beim FC Küsnacht begann diese Karriere als B-Junior; für eine Partie gelang in der Folge gar ein Aufgebot für die erste Mannschaft. Mit 19 Jahren kam dann allerdings Hiob mit dieser Botschaft: «Kniegelenk defekt». Noch ehe sie richtig begonnen hatte, endete die Aktivkarriere.
Dem Fussball in anderer Funktion erhalten bleiben war nun das Ziel: Baumanns Wechsel zum Schiedsrichter  – er pfiff ab 1. Januar 1979 für den FC Küsnacht – wurde vom ehemaligen SFV-Schiedsrichterchef Willi Jaus begleitet. Obwohl es die deklarierte Funktion eines «Göttis» damals noch nicht gab, half Jaus dem Neo-Unparteiischen nachhaltig.
Markus Hug, damaliger Leiter Schiedsrichter beim FVRZ, wurde auf Baumann aufmerksam. Am 1. Januar 2002 übertrug er ihm das Ressort «Inspektionen». Eine Arbeit, die damals – noch ohne Internet/Clubcorner – aufwändig war und eine hohe Konzentration verlangte. Nach und nach folgten administrative Rochaden, ehe der nun oberste Schiedsrichter des FVRZ am 24. August 2007 die höchste Position der Unparteiischen übernahm und diese bis heute bekleidet.

«Ein gut funktionierendes Team»
In der Bilanz des aktuellen Status des FVRZ-Schiedsrichterwesens gibt es Positives zu vermelden: «Wir haben ein gutes, funktionierendes Team aufbauen können», sagt Andreas Baumann. Die negative Bestandesaufnahme fällt länger aus: «Wir verlieren zu viele Schiedsrichter. Seit rund fünf Jahren stagnieren wir auf einem Nullsummenspiel von Neu-Schiedsrichtern und Austretenden. So wird es schwierig, das Ziel von 750 Unparteiischen in der Region zu erreichen.»
Nach den Rücktrittsgründen gefragt, erwähnt Baumann: «Nebst den ‹normalen› Verabschiedungen aus Altersgründen, beruflicher Inanspruchnahme oder privaten Fokussierungen gibts einfach zu viele, die sich verbale Entgleisungen bis hin zur Gewalt nicht mehr antun wollen. Der FVRZ erhält zu viele solcher Schreiben. Und dies beileibe nicht nur von jungen Refs, die sich erst ‹eine dicke Haut› zulegen müssten. Jeder Trainer, jeder Spieler muss wissen, dass er mit seinem Verhalten direkt oder indirekt den Schiedsrichter-Mitgliederbestand im FVRZ mit beeinflusst – positiv wie negativ.»

«Multikulturelle Unterschiedlichkeiten»
Auch das Einfühlen in die multikulturellen Unterschiedlichkeiten erfordert von den Unparteiischen gegenüber früher ein tieferes Engagement: «Die Administration hat sich massiv vereinfacht; die Ansprüche und Anforderungen auf dem Feld hingegen sind in gleichem Mass gestiegen.» Immerhin ist dies eine Feststellung, die hoffen lässt: «Wer als Schiedsrichter die ersten zwei Jahre ‹überlebt› (nicht wörtlich zu nehmen …), bleibt in der Regel über Jahre hinweg Unparteiischer», bilanziert Baumann.
Marco van Basten hat Regeländerungen ins Auge gefasst. Wie steht der oberste Schiedsrichter des FVRZ zu Anpassungen? «Wenn sie dem Fussball dienen –  kein Problem für mich. Man kann sicher über dies und jenes diskutieren. Die Aufhebung des Abseits wäre wohl die revolutionärste Änderung; man müsste Erfahrungen sammeln. Fielen diese positiv aus, sollten neue Wege beschritten werden.

Beruflich viel in Afrika
Mit den modernen Medien kann Andreas Baumann seine berufsbedingten Landes-Absenzen im Griff halten. Mit Jonas Erni – im FVRZ teilzeitangestellt – weiss er eine tatkräftige Hilfe an seiner Seite. 40 Prozent seiner Arbeitszeit verbringt Baumann für Mettler Toledo, einem weltweit führenden Hersteller von Präzisionsinstrumenten und Dienstleistungen für den Einsatz im Labor und in der Fertigung, im ihm seit acht Jahren zugeteilten Afrika.
Ist er wieder zurück aus diesem «faszinierenden Kontinent», sieht man ihn so gut wie jedes Wochenende auf Fussballfeldern als Inspizient im Einsatz. Oder aber er arbeitet am PC, besucht Sitzungen, organisiert Weiterbildungskurse und Ähnliches, kommuniziert mit Schiedsrichtern und seinem Team. «So lange ich überwiegend Spass an meiner Aufgabe habe, sehe ich keinen Grund für einen Rücktritt», meint Baumann. Ob es weitere 15 Jahre sind, wird mit einem vielsagenden Lächeln quittiert.

Andreas Baumann
Geboren: am 27. Juli 1961 in Basel
Beruf: Market Manager Afrika bei Mettler Toledo
Zivilstand: verheiratet
Wohnort: Volketswil
Hobbies: Reisen, Afrika, Sport, Lesen und Musik
Stärken: Sprachen, Organisation, Zielorientiertheit, Lösungsorientiertheit, teamorientiert
Schwächen: kann etwas zu persönlich nehmen. Ungeduldig.
Lebensmotto: «Das wichtigste Gut ist die Familie und die Gesundheit»

 

Andreas Baumann fühlt sich im FVRZ-Schiedsrichterteam wohl.
(Bild: Bruno Füchslin, Medienberichterstatter FVRZ)

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Abstiege als Herausforderungen

von Bruno Füchslin, Medienberichterstatter FVRZ,
bfoxli@bluewin.ch
 

Zugegeben: Hatte ja fast einen Herzbruch, als der TSV 1860 München kürzlich die Relegationsspiele verlor und sportlich den Weg in die dritte Liga anzutreten hatte. Dies reichte aber noch nicht: Infolge administrativer Unzulänglichkeiten dürfen/müssen die Sechziger ihren Neuanfang in der Regionalliga starten. Raus aus der Allianz-Arena, zurück ins Grünwalder Stadion.

Das tut weh, wenn man von Kleinauf „wenn schon München, dann 1860“ in Kopf und Herz hatte. Jahrelanges Missmanagement, Führungslosigkeiten auf höchster Vereinsebene, Verkennung von Realitäten, kommunikativ katastrophal – es hat wohl so kommen müssen. Und wenn schon absteigen, dann richtig – in der dritten Liga wäre das Chaos wohl weiter gegangen. Jetzt müssen die Verantwortlichen den Traditionsverein an allen Ecken und Enden neu aufstellen – zu gut deutsch: Grundlagen zur völligen Genesung des Patienten schaffen.
Was denn haben die Sechziger in dieser Kolumne auf der FVRZ-HP zu suchen? Eigentlich nichts. Aber dennoch etwas. Nämlich diese Erkenntnis: Ist doch alles halb so schlimm. Ja und? Abstiege sind Chancen. Wer jammert, hat schon verloren. Relegationen sind Zeichen, dass zu viel falsch läuft – sowohl auf wie neben dem Platz. Und dies geht jeden Verein an, seis in der Bundesliga, der Super League oder im Amateurfussball.

Alles, was man an Arbeit investiert, soll so gut wie möglich geschehen, am Optimalen kitzeln. Aber so wie im Spiel selbst, sind die absolvierten Partien für einen aktuell arbeitenden Trainer immer die Vorlage dazu, im Training erkannte Schwächen zu verbessern. Exakt gleich verhält sich das Szenario bei einem Abstieg. Ein solcher ist – gerade im Amateurfussball – kein Weltuntergang. Augen auf und durch – und sich in Selbstbespiegelung berechtigte Fragen stellen, die man im Lauf der Saison meist ausblendet.