Fussballverband Region Zürich

«Es gibt (fast) nie unlösbare Probleme»

Theo Widmer unterstützt den Verband seit knapp mehr als einem Jahr als 80-Prozent-Angestellter. Medienberichterstatter Bruno Füchslin traf ihn kürzlich zum Gespräch.

 

BF: Theo Widmer und der Fussball – eine Jahre dauernde Liebesbeziehung. Auf einer Skala von ein bis zehn: Welche Zahl trifft die Innigkeit?
TW: Sie ist ziemlich hoch – sagen wir achteinhalb.

Wann und wie begann die Liaison? Auf welcher Position fanden Ihre Trainer den Widmer als fussballgeeignet?
Ich trat als D-Junior in den FC Pfäffikon ein. Ich durfte (oder musste?) Verteidiger spielen. Allerdings waren immer einige Spieler besser als ich.

Und wie lange dauerte und bis wohin führte Ihre Karriere?
Es reichte mir bis in die zweite Mannschaft. Die Ersatzbank war aber mehrheitlich mein temporäres Zuhause. Ich war offenbar nie «der ultimative Fussballer». Als 19-Jähriger interessierte mich aber die Aufgabe als Trainer. Ich stieg als Assistent ein, übernahm in der Folgesaison ein Team als Hauptverantwortlicher. In dieser Sparte standen alle Türen offen; ich trainierte die Kleinsten und älteren Junioren sowie die Aktiven der zweiten Mannschaft. Unterdessen bin ich 40 Jahre Trainer; aktuell trainiere ich die Db-Junioren des FC Pfäffikon.

Dann sind Sie einer, der – einmal zu einem «Ja» entschlossen» – langfristig zusagt.
Nebst den Trainerjobs stieg ich mit 20 Jahren in die Juniorenabteilung ein. Anfänglich in einem Dreiergremium arbeitend, war ich auch hier im Folgejahr Hauptverantwortlicher und übe diese Funktion auch heute – als Leiter der Technischen Abteilung – noch aus.

Ihre 80-Prozent-Anstellung beim FVRZ besteht zu einem Viertel als «Vereins-Unterstützer». Worin besteht diese Aufgabe konkret?
Seit 39 Jahren bin ich schon im Verband tätig, dies in verschiedenen Funktionen (meist aber der Technischen Abteilung). Seit 2015 bin ich Leiter der Technischen Abteilung. Ich war aber auch knapp 20 Jahre (1989 bis 2007) als Schiedsrichter (bis 2. Liga), Inspizient und Instruktor tätig und kenne also auch die Seite der SR sehr gut. Durch eine nochmalige Intensivierung des Dienstleistungsgedankens wurde mir diese neue Aufgabe als Koordinator Footeco ZH und Vereinsunterstützer übertragen. Sie ist vor allem für die Vereine und deren Funktionäre Anlaufstelle für Fragen und Unterstützung aller Art, aber auch anderen FVRZ-Ressorts stehe ich unterstützend zur Seite. Das Hauptgewicht meiner Arbeit liegt bei Footeco in Kommunikation, Koordination und Administration mit unseren Spitzenfussballclubs und den Breitenfussballvereinen.

Die Individualitäten pro Verein sind höchst unterschiedlich, und dennoch lauern vielfach dieselben Probleme. Was ist Ihre Erfahrung?
Es stimmt beides. Wo immer möglich unterstütze ich die Clubs in ihren alltäglichen kleineren und grösseren Problemen ...

… beispielsweise …
… beispielsweise in Sachen Umgang mit Wartelisten, Infrastrukturfragen, Trainersuche, Clubcorner und was individuell so anfällt. Viele Probleme kann ich nicht selbst lösen, aber Tipps geben, beraten, Vorschläge machen. Es ist immer wieder interessant, wie unterschiedlich dieselben Fakten angegangen werden. Ich kann nicht eine tatsächliche und symbolische Schublade aufmachen und sagen: zu wenige Trainer? Arbeite diesen und jenen Posten ab. Es gibt im gleichen Thema so gut wie jedes Mal andere Ausgangslagen. Insofern kann ich aus so gut wie jeder Anfrage eine kostenlose Weiterbildung geniessen. Es ist ein hoch interessanter, vielseitiger Job. Ich kann etwas bewegen – etwas, was mir seit den Jugendjahren gefällt und nichts an Attraktivität eingebüsst hat.

Ihre Bilanz nach etwas mehr als einem Jahr in dieser Position als Vereins-Unterstützer: War das Schaffen dieser Stelle ein Bedürfnis?
Dies kann ich mit einem klaren Ja beantworten. In der FVRZ-Administration kann ich die in den letzten Jahren mehr und mehr forcierte Vereinsnähe 1:1 und hautnah miterleben. Es gibt fast nie unlösbare Probleme, sowohl für die Vereine wie den Verband.

Was war die lustigste oder komischste Anfrage, die Sie bislang erhielten?
Es gibt da nicht eine oder die lustigste oder komischste Anfrage; es gibt aber schon das eine oder andere, das mich zum Schmunzeln veranlasst.

Was ist noch immer verbesserungsfähig, gar verbesserungsnötig?
Weiter vertiefen möchten wir die Kommunikation, in welchen Bereichen auch immer. Gerade in Zeiten, in denen die Anforderungen an die Funktionäre gegenüber früher deutlich gestiegen sind, muss das Miteinander forciert werden. Die Vereine sind vom Verband genau so abhängig wie umgekehrt. Der Dialog soll statt «die da und wir dort» zwangsläufig eine gute, gesunde, ehrliche, auch beidseits kritikfähige Kooperation zu Stande bringen, Selbstkritik inbegriffen.

Welche Kritik am Verband ist die am meisten geäusserte?
Die Bussen werden ein Dauerthema bleiben. Vielmehr als Wunsch und Anregung müssen wir aufnehmen, dass viele Vereine in Sachen Reglements-Änderungen nicht jede Saison wieder Neues eingeführt sehen wollen. Ein Tipp, den wir entsprechend Ernst nehmen und so handhaben wollen – so weit dies in den Kompetenzbereich des FVRZ geht.

Abschliessend: Sie sind FCZ-Fan …
… und werde es auch bleiben. Man hat als Kind ein (Fussball-)Herz zu verschenken, und dies gehört dem FCZ. Aber man wird älter, das Fan-Sein hat sich eher nach innen verlagert. In meiner Aufgabe – vor allem in der Footeco-Arbeit – kriegt der FCZ weder materiell noch ideell eine Sonderstellung. Neutralität ist absolute Bedingung, um diesen Job erfüllen zu können. Auch der FC Pfäffikon, dem ich nunmehr seit über 40 Jahren die Treue halte, wird null und nichts von meinem Engagement im Verband als Bevorzugung irgend welcher Art profitieren. Da lege ich gar beide Hände ins Feuer.

Steckbrief Theo Widmer
Geboren: am 24. Oktober 1960 in Bern
Beruf: erlernter Detailshandelsfachmann; seit Juli 2016 zu 80% beim FVRZ angestellt
Zivilstand: verheiratet, zwei erwachsene Töchter
Wohnort: Pfäffikon ZH
Hobbies: Fussball, Kochen
Stärken: Sozialkompetenz, Fachwissen, Netzwerk
Schwächen: Geduld haben, Sprachen
Lieblingsvereine: FC Zürich, Borussia Dortmund
Lebensmotto: «Nimm jeden Tag und jeden Menschen, wie er ist»

aktuelle Tätigkeiten
Leiter Technische Kommission FVRZ (seit 22.08.2015)
Mitglied Regionalvorstand FVRZ (seit 22.08.2015)
Vereins-Unterstützer Technische Kommission FVRZ (seit 1.7.2016)

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Anmeldeschluss: Montag, 15. Januar 2018!
Dokumente:

FCs als Bewegungs-Auffangbecken

von Bruno Füchslin, Medienberichterstatter FVRZ,
bfoxli@bluewin.ch
 

Bei einem Kollegen und dessen Partnerin zum Nachtessen eingeladen – es gibt Milchreis mit Zimt, inklusive Zwetschgen. Dafür ginge ich meilenweit, bin aber dennoch froh, dass die Fahrt nur eine knappe Viertelstunde dauert. Da parkieren wir mal und gehen ein paar Treppenstufen hoch bis vors Haus in der Überbauung.

Immer einen Fotoapparat dabei für den Fall wie diesen: Ein schönes grünes, aber kleines Feld mit eben dieser Tafel. Für einen Fussballangefressenen löst dies zwangsläufig innere Reaktionen aus. Die erste: Aha – ein Hundekotverbot findet sich nirgends; Fussball spielende Kinder sind «gefährlicher». Ein Erinnerungs-Fallrückzieher in die eigene Damals-Zeit: Luxus pur. Zehn Meter neben dem Elternhaus eine Kuhwiese zum Fussball spielen, Ski fahren und Schlitteln, 200 Meter weiter hinten ein grosser Wald. Spielplätze «zum versaue». Heute: die Wiese ist komplett verbaut (oder gar «versaut»?). Spielende Kinder: höchstens auf einem kleinen, betonierten Vorplatz.

Aber ich kann nicht innerlich lospoltern kontra dieser Tafel und den «bösen Erwachsenen», die dahinter stecken. Sie haben auch ein Recht auf Ruhe. Gerade in Überbauungen – je nachdem, wie sie angeordnet sind – löst Lärm zusätzliche Echos aus. Am 1. August beispielsweise muss man die sinnlose Knallerei gleich dreifach reinziehen. So schüttelt ob dem Fussballverbot höchstens das Herz den Kopf (geht dies überhaupt?).

Ein Fussballclub, ein Sportverein allgemein muss mit seinem Engagement für die Jugend dieses nach und nach gewachsene, auch durch äussere Umstände entstandene Bewegungs-Manko ausgleichen. Und dieser kaum irgendwo deklarierte Auftrag ist allemal weit, weit wichtiger als die möglichst höchste Ligazugehörigkeit einer ersten Mannschaft. Ein Sportclub steht als Bewegungs-Auffangbecken am Anfang (oder am Ende – je nachdem …) einer Gesellschaft, die wächst und wächst und ihren Raum braucht und nimmt.

Und es sind nicht «die andern»: Wir alle wohnen irgendwo, wos mal jungfräulich grün war und Kicken erlaubt, verboten oder immerhin «geduldet» war.