Fussballverband Region Zürich

«Verbundenheit ist wichtiger als Zufriedenheit»

Anlässlich des zweiten FVRZ-Kongresses unterhielten sich diverse Vereinsverantwortliche und Regionalvorstands-Vertreter über neue wie stets wiederkehrende Themen und die Möglichkeit, konkrete Verbesserungen umzusetzen.

Der Verband lud ein, und 16 Vereinsverantwortliche folgten dem An- beziehungsweise Aufgebot. Der zweite FVRZ-Kongress, auf Samstag des 25. November ins Hotel Marriott in Zürich einberufen, fokussierte sich aufs Thema «Personalrekrutierung».
Jeder Club ist so individuell wie keiner sonst, und doch gibts Ähnlichkeiten wie Parallelen, die durchaus im Kollektiv besprochen werden können. Wer kennt die Herausforderungen nicht? Es fehlen Trainer, Schiedsrichter, Funktionäre – wo suchen? Wen ansprechen? Wer könnte sich eignen? Welche Motivationen liegen zugrunde? Auch das gibts: Wer wartet nur darauf, angesprochen zu werden, weil ihn öffentliche Publikationen via Internet oder Vereinszeitschrift beziehungsweise Aufrufe an Versammlungen nicht interessieren und offenbar «zu wenig persönlich» sind?
Es liesse sich so viel Negatives fest stellen: «Früher wars anders», «Konsumgesellschaft», «bringt eh nichts», «die heutige Jugend» und so weiter. Von allem etwas? Stimmt. Aber was änderts? Nichts. Ergo müssen Vereinsverantwortliche in Fakten ihren Status ändern und diesbezüglich «Aktivmitglieder» werden. Wer sucht, der findet. Und eher selten, aber doch nicht auszuschliessen ist, dass jemand findet, ohne zu suchen …

Grosses Potenzial
TV-Experte Peter Knäbel gab im einleitenden Referat eigentlich einfache Dinge Preis: «Ehrenamtliche suchen ist das Eine; Ehrenamtliche halten das Andere. Je weniger wir an Mitgliedern verlieren, desto weniger müssen wir suchen.» Oder auch: Wenn Vakanzen sind, soll bei jenen, die aus ihren immer zu respektierenden persönlichen Gründen zurück treten oder gar den Vereinsaustritt bekannt geben, nachgehakt werden. Wenn jemand geht, geht nicht nur die Person «verloren»; sie nimmt ein grosses Potenzial mit. Allein der zumeist grosse gegenseitige Vereins-Bekanntenkreis gäbe schon eine Grundlage, die eine Weiterbeschäftigung geradezu provozieren. Oft reicht ein Gespräch, um Interesse zu wecken: «Verbundenheit ist wichtiger als Zufriedenheit», gab Knäbel ein Zitat bekannt.
«Leute halten und pflegen»: Allein diese vier Worte in dieser Reihenfolge gaben zu weiteren Diskussionen Anlass. Was sind die Vereins-Vorgaben? Wer eignet sich wofür? Welche Motivationen können angeknabbert werden? Wie viel Monetäres ist vorgesehen, möglich und nötig, um Ehrenamtliche einspannen zu können?

Fordernde Gruppenarbeiten
Den zweiten, fokussierten Teil bestritten die Anwesenden in drei Gruppen, die in unterschiedlichen Themen aus ihrem Vereinsalltag Beispiele und Lösungsmöglichkeiten diskutierten. Ein Votant bemängelte fehlende Sportplätze, um all die Mitglieder – vor allem Kinder und Jugendliche – auffangen und den Vorgaben gemäss beschäftigen zu können. Sein Gegenüber hingegen konterte, dass das weit grössere Problem die zeitliche Auslastung der Anlagen sei. Stets auf den Abend konzentriert, ergäben sich immer Engpässe. Wo ergäben sich Alternativen, wie wären diese konkret umzusetzen möglich?
Des Weiteren stand nebst vielem andern auch zur Diskussion, dass Vereine, die deutlich mehr als die geforderten Schiedsrichter stellen, in irgend einer Weise belohnt werden sollten. «Sonst sinkt die Motivation, das eigene Schiedsrichter-Kontingent mit weiteren Unparteiischen aufzustocken», unterstrich der Votant seine Gedanken. Die Verbandsleute notierten …

Intensive Austausch-Stunden
Nach drei intensiven Austausch-Stunden konnte auch der den Kongress abschliessende Stehlunch nicht verhindern, dass die Diskussionen weiter gingen. Figura zeigte: Fussball ist bekanntlich ein nie endendes Thema, und so lange der Ball rund ist und bleibt, wird dessen Drumherum ebenso nie endende Gesprächsthemen bescheren.

2. FVRZ-Kongress
Samstag, 25. November 2017
Hotel Marriott, Zürich
Anwesend: 16 Vereinspräsidenten/Vertreter
Regionalvorstand FVRZ mit sechs Personen präsent
Gastreferent: Peter Knäbel (TV-Experte)

Impressionen (Fotos: Bruno Füchslin, Medienberichterstatter FVRZ)

FVRZ-Vereinsunterstützer Theo Widmer lauscht interessiert.

FVRZ-Präsident Sandro Stroppa konnte 16 Vereinspräsidenten/-verantwortliche begrüssen.

Gastreferent Peter Knäbel: «Leute halten und pflegen.»

Ein lockerer Aufgalopp mit Kaffee und Gipfeli.

Interessante Vorgaben für die Arbeitsgruppen.

Primär waren die Vereine durch deren Präsidenten vertreten.

Die Workshop-Arbeitsgruppen in intensiver Diskussion.

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Jahresrückblick der persönlichen Art

von Bruno Füchslin, Medienberichterstatter FVRZ,
bfoxli@bluewin.ch
 

Am kommenden Freitagabend des 8. Dezember ist wieder Zeit, uns selbst zu feiern. In der Samsung Hall in Dübendorf-Stettbach begehen Verband und Vereine die traditionelle Jahresschluss-Gala, diesmal in ihrer 16. Auflage. Nebst der örtlichen Verschiebung infolge der Kongresshaus-Renovation warten diese und jene Neuerungen auf die Besucher.

Zusammen das auslaufende (Fussball-)Jahr verabschieden ist das eine. Das andere: Jede und jeder Vereinsengagierte wird – dann allerdings eher im Stillen – seine persönliche Bilanz ziehen. Details wie Gesamtes rückblenden, Gutes wie nicht so Gelungenes ausmachen, Bestätigungen weiter verfolgen und wo nötig Korrekturen anbringen. Die eigene Arbeit möglichst objektiv reflektieren verlangt da und dort ein inneres Aussteigen aus jenem Rad, das auch ehrenamtliche Arbeit in Beschlag nimmt. Was besser wäre dazu geeignet als die Winterpause, in der so vieles brach liegt und «ausruhen» fordert?

Auch der Kommentarschreiber zieht Bilanz. Und freut sich über etwas, was nicht zwingend grosse Schlagzeilen macht. Tröpfchenweise, aber doch stetig entschliessen sich Vereine, die Politik, deren erste Mannschaft mit viel, viel und nochmals viel Geld möglichst weit nach oben zu kaufen, zu ändern. Zu den ehrlichen Wurzeln des eigenen Clubs zurück zu kehren. Die eigenen Nachwuchsspieler so auszubilden, dass sie in der vereins-höchstmöglichen Liga bestehen können. Wie heisst es doch in der Wirtschaft, dem Berufsleben: Bilden und ausbilden ist das A und O einer gesunden Zukunft.

Wer all das Geld, das da während Jahren für die Legionäre per Saläre und Punkteprämien «verbratet» wurde und wird, zusammenzählt, muss sich doch auch diese Frage stellen: Wen denn interessierts, ob Verein X oder Y mit seiner ersten Mannschaft so künstlich weit oben spielt und die andern Mannschaften des Clubs im Breitenfussball dümpeln? Es interessiert primär diejenigen, die diese eigene Politik verfolgen und mit einem künstlichen Aushängeschild sich selbst gefallen und Sponsoren beeindrucken wollen.

Zukunftsgerichtet ist das nicht – man arbeitet für Momentaufnahmen. Mit dem Grundgedanken von «Amateurfussball» haben diese Auswüchse nicht, aber rein gar nichts zu tun. Verantwortung für den eigenen Club und dessen Mitglieder zu übernehmen läuft auf einem anderen Kanal, als permanent auswärtige Spieler einzukaufen. Notabene: Auch diese begannen mal bei einem Breitensportverein. Dieser arbeitete im Nachwuchsbereich wohl um einiges fokussierter. Es ist zu billig (umgekehrt mordsmässig teuer …), weiterhin auf diesem seltsamen Pfad zu wandeln.

Klar: Jeder Verein hat das Recht, sich so zu gestalten, wie ihm vorschwebt. Fragt sich zuweilen nur, ob wirklich alle Vereinsmitglieder – sie sind nach den Statuten das oberste Gremium – dazu «Ja» sagen oder ob die «Entscheidungsträger» jene sind, die eventuell völlig an der Basis vorbei vereinspolitisieren und deren Fokus der für sie offenbar einzig richtige ist.

Anmeldeschluss: Montag, 15. Januar 2018!
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