Lasst sie kicken
von Bruno Füchslin, Medienberichterstatter (25.02.2010)
Weshalb meldet sich ein Spieler in einen Fussballverein an? Richtig: er (oder sie) will Fussball spielen. Alles andere ist sekundär. Vor allem Kinder und Jugendliche kümmern sich nicht ums Drumherum: Mit irgend einem Vorbild im Hinter (oder auch Vorder-)kopf gehts ans Eingemachte – und erweist sich Fussball spielen halt doch nicht so einfach, wie das vom Fernsehsessel aus zu kiebitzen ist.
Es interessiert sie nicht, was die eventuellen Probleme der Juniorenabteilung sind. Genügend grosse Kader so zusammenzustellen, dass sowohl – auch im Breitensport wichtig – Stärkehierarchien berücksichtigt und Trainer gefunden sind, ist Aufgabe der Erwachsenen. Deren Aufgabe ist auch, dass alle, die sich da zum Fussball spielen angemeldet haben, auch spielen können. Und zwar für eine (Spiel-)Zeit, die ihren Namen auch verdient. Dass danach unter der Dusche immerhin ein Schweisströpflein weggeschwemmt wird – wenns weit mehrere sind, umso besser.
Wer sich in den Fussballverein anmeldet, hat ein Grundrecht darauf, auch Fussball spielen zu können, und dies weder als Lückenbüsser noch als Kurz-Vor-Schluss-Zeitschinderelement. Vor allem Kinder und Jugendliche hegen viele Hoffnungen, Erwartungen und Träume auf das «Ereignis Fussball». Umso schlimmer, wenn andere permanent vorgezogen werden und man mehr oder minder unausgesprochen zweite oder dritte Wahl ist und bleibt.
Gerade in Zeiten, in denen «Vereinszugehörigkeit» – sprich das Gefühl von sozialem Zu-Hause-Sein – zunehmend und spürbar an Wert verliert, müsste dieser Frage der aktiven Teilnahme an einem Fussballspiel mehr Gewicht gegeben werden als dem stetigen Streben nach dem kleinen, immer so relativen Wochenendsieg.
Hand aufs Fussballherz: Welcher Mensch ist schon gerne „Reserve“ oder Ersatz – nicht nur, aber auch auf den Fussball bezogen? |