Das Situative schulen
von Bruno Füchslin, Medienberichterstatter (30.07.2010)
Es ist ja alles gut gemeint. Der Trainer holt seinen Verteidiger an die Linie und erklärt ihm geduldig, aber mit Gesten, weshalb er beim gegnerischen Angriff, im 1:1-Duell gegen seinen zugeteilten Gegner, falsch gestanden hat. Immerhin: Er schreit nicht ins Feld und nimmt sich zwei, drei Sekunden Zeit. So hört der Verteidiger auch zu. Einen Minustreffer hats zwar keinen abgesetzt, aber der Porzellankiste Mutter ist immer noch die Vorsicht.
Es sei die Frage erlaubt, was das bringt. Der Trainer nimmt das Gewesene zum Anlass, Vergangenes zu resümieren. Noch nie hat ein Fussballlehrer vorausblickend punktuelle Zuweisungen kund getan. Logisch: Auch er kann nicht wissen, wie sich ein gegnerischer Spielaufbau entwickelt. Diese Unbekannte ist und bleibt eine der Attraktivitäten eines Mannschaftssports. Faktisch will der Trainer zwar helfen, aber männiglich weiss: Jede Situation ist wieder neu. Nur der, der involviert ist, muss innert Sekunden oder Bruchteilen derer entscheiden, wie er sich möglichst richtig positioniert. Manchmal reagiert er richtig, vielfach eben falsch. Ein einziger überraschender Pass kann dem so viel zitierten «Spiel lesen können» den Buchdeckel zuschmettern.
Aus der Praxis eine Theorie kreieren, ist der falsche Weg. So müsste gelten: Im Training soll ein «Mätschli» nicht das gewohnte Dessert, sondern ein Hauptbestandteil sein. Sich möglichst richtig positionieren lernt man nicht in trocken eingeübten Spielsituationen, sondern nur im und aus dem Spiel selbst. Situativ möglichst richtig zu entscheiden, ist so gut wie allein eine Frage der Routine. Denn bereits in einer nächsten, oberflächlich ähnlichen Situation und Position, kann des Trainers gut gemeinte Anweisung an seinen Verteidiger der völlig falsche Rat gewesen sein. |