Nationale Dominanz des Grasshopper Club Zürich
von Maurice Desiderato
Die Dominanz des Grasshopper Club Zürich des vorangehenden Jahrzehnts setzte sich in den Neunzigerjahren mit vier Meistertiteln und vier Cupfinalteilnahmen fort. Ottmar Hitzfeld, seit 1988 Trainer der Zürcher, konnte den Triumph des Vorjahres wiederholen und 1991 erneut die Schweizer Meisterschaft feiern, bevor er vom Bundesligisten BVB Dortmund verpflichtet wurde: Vor über 20’000 Zuschauern schlug der GC den Verfolger FC Sion im entscheidenden Spiel mit 2:1.
Hitzfelds Assistent Oldrich Svab trat in der Folge das schwere Erbe an und erreichte in der folgenden Saison trotz des enormen Drucks den dritten Schlussrang. In der Sommerpause 1992 verstärkten sich die Zürcher noch einmal und galten nun wieder als hoher Favorit auf den Titel. Auch Kapitän Mats Gren sah seine Mannschaft in der Favoritenrolle: «Das ist das beste GC-Team, in dem ich je gespielt habe.» So war das Erstaunen gross, als sich die Grasshoppers nach sieben Spielen mit lediglich vier gewonnenen Punkten auf dem zweitletzten Platz wiederfand. Svab wurde entlassen und durch Startrainer Leo Beenhakker ersetzt, der zuletzt Real Madrid trainiert hatte. Trotz eines guten Starts und eines sensationellen Siegs über Sporting Lissabon im Europacup, blieben auch unter «Don Leo» Rückschläge nicht aus: Der letzte Spieltag der Qualifikation musste über eine Finalrundenteilnahme entscheiden – und durch ein Tor kurz vor Schluss zum 2:1 stiessen die Young Boys die Zürcher in die Auf-/Abstiegsrunde. Die Häme der Fussballschweiz war dem Traditionsklub sicher. Und auch der Versuch, die Saison mit dem Cupsieg zu retten, misslang: Der FC Lugano schlug die Zürcher deutlich mit 4:1 Toren. Wenigstens konnte der Klassenerhalt gesichert werden.
Die Entlassung Beenhakkers im Sommer 1993 eröffnete dem Jungtrainer Christian Gross, der in den vergangenen vier Jahren den FC Wil aus der 2. Liga bis in die obere Tabellenhälfte der NLB geführt hatte, eine grosse Chance, die er zu nutzen verstand: Bereits in der ersten Saison führte er die Grasshoppers auf die Erfolgsspur zurück, obwohl wichtige Spieler wie Ciriaco Sforza (1. FC Kaiserslautern), Alain Sutter (1. FC Nürnberg), ein Jahr später Giovane Elber (VfB Stuttgart) und im Winter 1994/95 Regisseur Thomas Bickel (Vissel Kobe/Japan) den Verein verliessen. Gross setzte auf junge Talente wie Pascal Zuberbühler, Murat Yakin, Massimo Lombardo, Alexandre Comisetti und Bernt Haas, erreichte mit diesen den zweiten Schlussrang und gewann den Cup. (...)
