Fussballverband Region Zürich

Menschen@FVRZ (Bericht 3)

«Heinz – wie lang chömmer dänn nüme träniere?»

Einen der eher traurigen Momente in einer Jahrzehnte langen Fussballkarriere erlebte der 72-jährige Heinz Rütti vor Wochen: Er musste seinen Fussballschule-Kindern mitteilen, dass der Mittwochnachmittag-Spass im «Jonentäli» in Hausen am Albis bis auf Weiteres nicht mehr stattfinden kann.

Sicherer als jeder filigrane, ausgewiesene und hoch gelobte Noch-so-Brillant-Techniker hat Corona den Ball gestoppt. Dies in einem Ausmass, dass weltweit so gut wie alle Bälle brach liegen. Wann diese wieder ihrem Herstellungs-Ursprungszweck zugeführt werden können – niemand weiss es. Aber alle hoffen.
Dies auch in Hausen am Albis, wo der einstige FCZ- und St.-Gallen-Halbprofi Heinz Rütti mit seinen Kindern noch so gerne würde … – aber wie alle andern nicht kann. «Ich glaube, dass die Kinder gleichermassen oder zumindest ähnlich traurig waren wie ich», erinnert sich Rütti an jenen Tag, an dem er den Stillstand mitteilen musste. Bereits Trainings vorab wurde eingeschränkt: Per Hand grüezi sagen und Umarmungen wurden auf den Nullfaktor reduziert. Als Rütti dann das Aus verkünden musste, konnte er die Frage nach «wie lange dauert denn dies?» genau so wenig beantworten wie alle andern, die im Coronavakuum so gut wie nirgends konkrete Daten prognostizeren können.

Bei älteren Semestern bekannt
«Den kenne ich doch …?». Ja, älteren Lesern ist Heinz Rütti bekannt. Er stand zwischen 1966 und 1969 im Meister- und Cupsiegerteam des FC Zürich. Seine letzte FCZ-Partie absolvierte der nunmehr seit 25 Jahren in Hausen am Albis wohnhafte im Freundschaftsspiel gegen den FC Santos. «Danach», erinnert sich der hier Porträtierte, «danach wollte ich mit dem Profifussball aufhören». FCZ-Präsident Edi Nägeli hatte ihm bereits die Leitung der «Tabakfass»-Filiale im Shopville in Aussicht gestellt, ehe ihm der legendäre Vorsitzende mitteilte, dass er ab sofort beim FC St. Gallen auflaufen könne. Er müsse jetzt einfach den FCSG-Trainer Albert Sing anrufen, und dann sei dies «über die Bühne».
Rütti tat – obwohl zumindest halbwegs geschockt – wie ihm geheissen. Sing hörte sich des neuen Spielers eigentlichen Wunsch des Aufhörens an, beharrte jedoch («wir brauchen dich dringend») auf den Transfer. Der gelernte Sportartikelverkäufer nahm die Gunst der Stunde wahr und teilte mit, dass er für ein höheres als das im Erstvertrag vorgeschlagene Gehalt einverstanden sei. Und siehe: akzeptiert. Damals konnten die Spieler nicht allein vom Fussball leben und mussten nebenbei noch arbeiten. Die Verbindung dauerte zwischen 1969 und 1973 vier Jahre. «Es waren meine schönsten Fussballjahre. Nicht zuletzt dank Verletzungsfreiheit konnte ich ohne Unterbruch 126 Partien absolvieren», resümiert Rütti die Espenmoos-Zeit.
Als dann dennoch Zeit war, die Aktivkarriere definitiv zu beenden, wartete die «Tabakfass»-Aufgabe noch immer. Rütti bildete sich nebenamtlich weiter, wurde SFV-Instruktor und betreute als (Spieler-)trainer den FC Adliswil, den FC Regensdorf und die Blue Stars. Seine letzte Fussballpartie absolvierte er als Senior. Nach mehreren rüden Attacken seines Gegenspielers gab er erst dem Schiedsrichter, danach seinen Fussballkollegen und sich selbst das «Adieu» bekannt. 

«Kifu mit Herz»
Vor 25 Jahren neu in Hausen am Albis wohnhaft, meldete sich schon bald der damalige Präsident und FCH-Initiator Karl Hartmann und liess nicht locker, bis Heinz Rütti zusagte, dort zu helfen, wo man ihn brauchen konnte. Es stand vor 18 Jahren die Gründung des Vereins an, und im weiteren Verlauf der Clubgeschichte konnte der ehemalige Halbprofi sein immenses Wissen einbringen. Offiziell ist Rütti seit Jahren Technischer Leiter, verhehlt aber nicht, dass ihn die Aufgabe der Kinderfussballschule am meisten Spass macht. «Kifu mit Herz für mehr Freude» ist seine Losung; er freut sich wie die Kinder auf jene Tage, wenn es dann doch mal wieder in einem einigermassen normalen Rhythmus weiter gehen kann.

(Bericht/Fotos von Bruno Füchslin, Medienberichterstatter FVRZ)

Auch Heinz Rütti ist irgendwie im Corona-Netz gefangen.

Das «Wie-lange-noch?»-Warten ist für alle ein Geduldstest.

zurück

Die «Hundertprozentige» versiebt

von Bruno Füchslin, Medienberichterstatter FVRZ,
bfoxli@bluewin.ch
  

Blöd gelaufen. Kurz vor Schluss, 3:2 für die Gastmannschaft. Reaktion des Heimteams: Defensive möglichst geordnet aufgeben, strukturiert alle Mann nach vorn. Ausgleich gelingt noch nicht, aber der Druck wird immer grösser. Und da geschiehts: Ballverlust in Folge von Unaufmerksamkeit. Der Konter läuft. Gleich drei Gästeakteure sind unterwegs, in der Mitte der Ballbesitzende, links und rechts die Anspielstationen. Nur ein Defensivler geht notgedrungen ins 1:1; der wird auch noch überspielt. Aber der Platz wird eng, man ist bereits in Strafraumnähe. Der Torhüter steht äusserst geschickt und scheint auf alles gefasst.

Und was geschieht? Es gibt keinen Treffer. Der mit dem Ball am oder in der Nähe des Fusses sucht und macht den Abschluss; der Ball geht knapp übers Tor. Und jetzt? Aufschrei auf der Spielerbank und der Tribüne. Pfiffe des eigenen Anhangs. Die Mitlaufenden versinken fast im Boden und hadern vor sich hin. Wieder so ne Szene, in der die 89-jährige Grossmutter das Leder mit links eingeschoben hätte. Die Frage lautet unisono: weshalb spielt der nicht ab? Ganz einfach.

Ganz einfach? Rekapituliert man das eben Gesehene, ists so einfach nur für jene, die nicht aktiv beteiligt waren. Muss ja den Ball nur rüberschieben (aber bitteschön auf ein mögliches Abseits achten). Hätte er geschoben und der Mitspieler nicht getroffen: «Weshalb schiesst der nicht selbst, weshalb spielt er ab?»

Und so lässt sich feststellen: Die Mitlaufenden eröffnen zwar Anspielmöglichkeiten, sind aber zugleich auch höchst verunsichernde Negativelemente. Erst sie lassen den Ballbesitzenden zweifeln, was denn in dieser Szene die beste Option ist. Er muss in Sekundenbruchteilen entscheiden – und zieht so ab und zu den Schwarzen Peter. Der beschriebene Konter wäre eventuell erfolgreicher verlaufen, wenn die Mitspieler gar nicht erst mitgekontert und so des Schützen Konzentration nicht torabschluss-entscheidend beeinflusst hätten.