Fussballverband Region Zürich

Menschen@FVRZ (Bericht 4)

«Wer weiss, wozu dies alles gut sein wird?»

Wie alle Breitensportvereine hat auch der FC Langnau am Albis die Corona-Folgen massiv zu spüren bekommen. Vereinspräsident Fredy Münger zieht eine (Zwischen-)Bilanz.

Er ist keiner, der hadert. Keiner, der die Situation verteufelt. Keiner, der Behörden und Verband wegen diesen und jenen Massnahmen und Entscheidungen Vorwürfe macht. Obwohl seit 23 Jahren Vereinsvorsitzender, in dieser Position gefordert und mit einem Herzen ausgestattet, das rund wie ein Fussball sein könnte, hat Fredy Münger eine beachtliche, primär beobachtende Distanz zur allgemeinen Lage. «Mir geht und ging vieles durch den Kopf, was Corona und dessen (Aus-)Wirkungen betrifft. Unser aller seit Jahr und Tag so geordnetes Leben hat Stopp gemacht. Um zu erkennen, was wirklich wichtig ist? Eine neue Erfahrung, die uns alle zwingt, unsere Ansprüche zu überdenken? Was brauche ich in meinem Leben? Decken diese Wochen der Einschränkungen auf, welchen Mitmach-Provokationen so viele Menschen nachrennen, um gesehen zu werden und überall ‹dabei› zu sein?»

Finanziell solide aufgestellt
Fragen und Feststellungen ohne Antwort. Mit angedeuteten Perspektiven, die sich so individuell ereignen, dass vieles in jene Seelenteile dringt, in denen Worte und Erklärungen Mutmassungen sind und bleiben. Münger vermisste in diesen unsicher machenden Tagen vor allem eines: «Dass ich meine Enkel nicht sehen durfte, tat echt weh.» Ansonsten ging der während Jahrzehnten im Informatik-Management der IBM tätige Rentner diese neuen, zusätzlichen Arbeiten pragmatisch an. Sachliche Informationen an die Mitglieder hatten Priorität. Müngers Mitstreiter im Vorstand erwiesen sich genauso als «echte Teamplayer» wie die Trainer, die allesamt mitzogen. So konnte der Zusatzaufwand auf verschiedene Schultern verteilt werden.
Die finanziellen Auswirkungen gehen und gingen auch am Verein mit der Nummer 11032 nicht vorbei: «Die abgesagten Anlässe Schülerturnier, Papiersammlung und Trainerkurs D-Diplome helfen nicht zwingend mit, unser Budget zu erfüllen. Aber der Club ist finanziell solide aufgestellt. Wir werdens – wenn auch mit punktuellen Einschränkungen – überleben.»

Jubiläumsanlass verschoben
Nicht allein das Budget wurde vorab geplant und harrte dessen, was da kommen sollte. Ausgerechnet im Jahr des 100-jährigen Bestehens wollte Corona nicht, dass die Sihltaler am geplanten 8./9. Mai ihre Festivitäten begehen konnten. Verschoben, doch nicht aufgehoben: Am Wochenende des 11./12. September wird nachgeholt, sofern …
Diese Woche starten die Aktiven und die Junioren B wieder mit dem Training. Münger: «Wir erfüllen alle Auflagen, die gefordert sind. Da und dort wirds wohl noch enttäuschte Gesichter geben: Die erste Mannschaft stand bei Rückrundenende fünf Punkte vor den Verfolgern auf Platz eins – und dies erst noch mit Spielrückstand. Dass ein Virus den möglichen bis vermutlichen 3.-Liga-Aufstieg vermasselte – es gäbe tatsächlich Grund, zu hadern. Aber eben: Wer weiss schon, wozu dies alles gut ist beziehungsweise gut sein wird?»

Informationen zum FC Langnau am Albis: www.fc-langnau.ch

(Bericht/Fotos von Bruno Füchslin, Medienberichterstatter FVRZ)

Trotz Corona blickt FCL-Präsident Fredy Münger optimistisch in die Zukunft.

Fredy Münger vor dem Spielfeld Sihlmatte – dies ist grün wie selten zuvor …

zurück

Gesucht sind junge Routiniers

von Bruno Füchslin, Medienberichterstatter FVRZ,
bfoxli@bluewin.ch
  

So manchmal im Tag-für-Tag-Alltag werden Sätze gesagt, von denen man weiss, was gemeint ist. Wenn man genauer hinhört, tun sich plötzlich Fragen auf. Jüngstes Beispiel, im Radio gehört: «Beim Einbau eigener Nachwuchsleute in die erste Mannschaft geben wir denen das Vertrauen, dass sie auch Fehler machen dürfen.» Tönt gut, gell? Ist ja aber sowas von hochempfindlicher Behutsamkeit. Das Pflänzchen darf im eigenen Gewächshaus wachsen. Ganz natürlich, ohne Pestizid-Zugaben.
Es sei nicht erwähnt, wers gesagt hat. Dieser Spruch wird weltweit gebraucht und ist auch im Breitenfussball gang und gäbe. Aber wenn ich diese 19 Worte in dieser Reihenfolge lese, ist der Satz nicht fertig. Es fehlt eine Angabe, wann denn diese Geduld ein Ende hat. Ab wann fertig ist mit Auge zudrücken. Ab wann sich das Pflänzchen zum fehlerlosen Teamgesellschaftlichen integriert haben muss.

Sogar jetzt ist noch immer ersichtlich, was gemeint ist. Der Verständnis-Bruch kommt dennoch, mit dem zweiten Teil des Satzes nach dem Komma: «(…), dass sie Fehler machen dürfen». Heisst dies, wortwörtlich weiter gesponnen: Wer im Fehlersport Fussball auf Stufe erster Mannschaft noch immer Fehler macht, hat dort nichts zu suchen? Ja aber: weshalb fallen Tore? Wegen (Defensiv-)Fehlern. In der Replik beginnt das Fehlverhalten bereits weit vorn im Angriff und zieht sich nach und nach rückwärts, bis der Ball im Netz liegt. Oder: Haben Fehler von gestandenen Profis oder routinierten Vereinstreuen einen andern, «höheren» Stellenwert als von Nachwuchsleuten Begangene?

Ob in der Champions League oder in der fünften Liga: Fehler im Fussballsport sind immer dieselben. Der Unterschied liegt einzig in Rhythmus und Intensität des Spiels beziehungsweise der Akteure. Fussball-Fehler haben höchstens bedingt mit Altersjahren zu tun. Auf alle Fälle sind und bleiben dies die Besten: Dynamische, erfolgshungrige, unverbrauchte Junge mit der Routine eines 35-Jährigen. Wer sucht, der findet (nicht) …