Fussballverband Region Zürich

Menschen@FVRZ (Bericht 5)

«Corona war für mich höchst sekundär»

Seit 31 Jahren ist die in Hombrechtikon wohnhafte Diana Camenisch Schiedsrichterin. Inmitten der wochenlangen Corona-Massnahmen musste sie einem Schicksalsschlag in die Augen sehen.

Corona hat die gewohnte Welt erschüttert. Die Pandemie zog und zieht konkret oder nur theoretisch so gut wie alle Menschen in ihren Bann. Auch wenns Millionen betraf und betrifft: Jede und Jeder hat ganz individuelle Erlebnisse und Erfahrungen gemacht und kann ihre/seine eigene Geschichte erzählen.
Anfangs März überschattete ein Schicksalsschlag die Familie. Die Welt der 56-jährigen Gattin und ihrer drei Töchter erlebte einen Einschnitt, der massiv nachhaltiger wirkt als das, was das Virus noch anstellen wird. «Corona war für mich höchst sekundär», bilanziert Diana Camenisch die vergangenen Tage und Wochen. Die Werte verschoben sich und gaben so viel Relatives bis Unwichtiges Preis.
«Es war gut, dass ich in dieser Zeit keine Spiele leiten musste. Wie hätte ich wohl reagiert, wenn sich wieder irgendwer wegen einer der so vielen Fussball-Lappalien zum Reklamieren provoziert gefühlt hätte? Ich weiss es nicht», gibt Diana Camenisch unumwunden zu.

«Dies kann ich besser»
Die Schiedsrichterin erinnert sich an den Anfang ihrer Unparteiischen-Laufbahn. Bei einer Partie in Lachen musste sie mit ihrem Team des FC Stäfa eine «Leistung» über sich ergehen lassen musste, die jeglicher Anerkennung spottete: «Der Spielleiter war betrunken; der gab zum Beispiel Out-Einwurf, obwohl der Ball noch mindestens einen Meter innerhalb war. Dies gab mir den Input nach dem Motto ‹dies kann ich auch, aber besser›.»
Gesagt und versprochen: Im Jahr 1989 absolvierte Camenisch den Grundkurs und leitet seither Partien der unteren Ligen, aktuell in der fünften. Im Jahr 2007 stand sie im Wettbewerb «Schiedsrichter des Jahres» als Nominierte auf der Kongresshaus-Bühne. Es war jene Zeit, in der schon mal drei, vier Spiele pro Woche anfielen; zuletzt kriegte die gelernte und zu Beginn der Berufsjahre als Motorradmechanikerin Tätige von der Aufgebotsstelle punktuelle Einsätze. Wie sich Diana Camenisch inskünftig als Referee einbringt, ist noch nicht entschieden: «Ich muss das alles – wie man so schön sagt – sacken lassen.»  

Früh aus den Federn …
Fernab des Fussball-Hobbys fühlt sich die Frühaufsteherin in verschiedenen Tätigkeiten wohl. So trägt sie seit 20 Jahren per Frühzustellung Zeitungen aus. Verlage wie Abonnenten in Wolfhausen/Bubikon sind froh, dass die zuverlässige Frau jeden Morgen um 04.15
die Drucksachen fasst und nach und nach in die Briefkästen legt. «Je nach Tag ist damit gegen plus/minus 06 Uhr Feierabend», schmunzelt Camenisch. Auch der Motor ihres Rollers kann abkühlen dann, wenn andere erst die Augen reiben und sich nach und nach in den neuen Tag aufmachen.  
Eine zweite Arbeit ist die der Hauswartin in der Überbauung Eichwisstrasse. Daselbst wird ihre Tätigkeit sehr geschätzt, und Camenisch wiederum gefällt, dass sie diese so gut wie eigenständig und in Eigenverantwortung einteilen kann. Wenn dann noch Zeit bleibt, gibts vielleicht wieder mal einen Blick ins Regelbuch – damit «man» (beziehungsweise «frau») parat ist, wenns ein neues Aufgebot reinschneit …

 
(Bericht/Fotos von Bruno Füchslin, Medienberichterstatter FVRZ)

Lesestoff Fussball-Spielregeln: Diana Camenisch hält sich auf dem Laufenden.

Corona-Pause: (Frei-)Zeit, um die Trillerpfeife zu putzen.

 

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Gesucht sind junge Routiniers

von Bruno Füchslin, Medienberichterstatter FVRZ,
bfoxli@bluewin.ch
  

So manchmal im Tag-für-Tag-Alltag werden Sätze gesagt, von denen man weiss, was gemeint ist. Wenn man genauer hinhört, tun sich plötzlich Fragen auf. Jüngstes Beispiel, im Radio gehört: «Beim Einbau eigener Nachwuchsleute in die erste Mannschaft geben wir denen das Vertrauen, dass sie auch Fehler machen dürfen.» Tönt gut, gell? Ist ja aber sowas von hochempfindlicher Behutsamkeit. Das Pflänzchen darf im eigenen Gewächshaus wachsen. Ganz natürlich, ohne Pestizid-Zugaben.
Es sei nicht erwähnt, wers gesagt hat. Dieser Spruch wird weltweit gebraucht und ist auch im Breitenfussball gang und gäbe. Aber wenn ich diese 19 Worte in dieser Reihenfolge lese, ist der Satz nicht fertig. Es fehlt eine Angabe, wann denn diese Geduld ein Ende hat. Ab wann fertig ist mit Auge zudrücken. Ab wann sich das Pflänzchen zum fehlerlosen Teamgesellschaftlichen integriert haben muss.

Sogar jetzt ist noch immer ersichtlich, was gemeint ist. Der Verständnis-Bruch kommt dennoch, mit dem zweiten Teil des Satzes nach dem Komma: «(…), dass sie Fehler machen dürfen». Heisst dies, wortwörtlich weiter gesponnen: Wer im Fehlersport Fussball auf Stufe erster Mannschaft noch immer Fehler macht, hat dort nichts zu suchen? Ja aber: weshalb fallen Tore? Wegen (Defensiv-)Fehlern. In der Replik beginnt das Fehlverhalten bereits weit vorn im Angriff und zieht sich nach und nach rückwärts, bis der Ball im Netz liegt. Oder: Haben Fehler von gestandenen Profis oder routinierten Vereinstreuen einen andern, «höheren» Stellenwert als von Nachwuchsleuten Begangene?

Ob in der Champions League oder in der fünften Liga: Fehler im Fussballsport sind immer dieselben. Der Unterschied liegt einzig in Rhythmus und Intensität des Spiels beziehungsweise der Akteure. Fussball-Fehler haben höchstens bedingt mit Altersjahren zu tun. Auf alle Fälle sind und bleiben dies die Besten: Dynamische, erfolgshungrige, unverbrauchte Junge mit der Routine eines 35-Jährigen. Wer sucht, der findet (nicht) …