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Glaskugelgucken statt Fussball spielen

von Bruno Füchslin, Medienberichterstatter FVRZ,
bfoxli@bluewin.ch  

Astrologische Informationen einholen, Tarotkarten legen, in die Glaskugel gucken: Das Bedürfnis, in die Zukunft blicken zu können, ist so alt wie die Menschheit selbst. Der Berühmteste aller, die diesbezüglich Geschichte schrieben, ist Nostradamus (latinisiert für Michel de Nostredame; * 14. Dezember 1503 in Saint-Rémy-de-Provence, Provence; † 2. Juli 1566 in Salon-de-Provence). Seine legendären Vierzeiler (Centurien) sind so verschlüsselt und nie mit konkreten Daten untermauert, dass sich ein fast unendlicher Raum an Interpretationen auftat. Seine Anhänger lobten und loben ihn als Weissager; für andere bleibt er ein intransparenter Schwarzmaler.

Indes bleibt die Frage «was wird morgen sein» aktuell wie eh und je. Namentlich Corona rüttelt an bislang während Jahrzehnten wie Betonsäulen Feststehendem. Kürzlich bei einer Diskussion gehört: «Wenn der Bundesrat doch endlich bekannt geben würde, ab wann wir wieder Verhältnisse wie vor Corona hätten, könnte ich, was all die Massnahmen betrifft, alles unterschreiben und mitmachen.» Na ja – wenns denn so einfach wäre. Die Behörden als Garantiepropheten, dass das Virus noch bis 30. April wütet, ab 1. Mai aber definitiv verschwunden ist?

Was bleibt: Wir alle müssen damit leben und gewöhnen uns – durch den Alltag bestimmt – an (vorläufig) bleibend Unliebsames. Aber ja: Ich würde gerne in die Zukunft blicken. Würde gerne wissen, nicht nur wann, sondern wie «unser» Fussball zurück kehrt. Was diese Zwangspause bewirkt – vielleicht nur kurz, im besten Fall aber langfristig. Hilft sie, bewusst zu werden, wie toll «unser» Fussball ist? Wächst die Erkenntnis des Geschenks, gesund zu sein und diesen tollen Sport ausüben zu können? Hilft sie, dass dieses Erlebnis über dem Ergebnis stehen sollte, ja gar müsste – und dies nicht nur wie propagiert bei den jüngsten Nachwuchsteams? Beeinflusst dieses Zwangs-Innehalten auch, dass gelebte Emotionen und nüchterne Selbstdisziplin keine Widersprüche sind? Dass niemand anders (Schiedsrichter!) Schuld ist, wenn es dem eigenen Team während 90 Minuten (plus Nachspielzeit) nicht gelingt, die Partie für sich zu entscheiden?

Man darf in Zeiten der anhaltenden «Erholungsphase» dennoch gespannt sein, was und wie sich eventuell Nachhaltiges in «unseren» geliebten Sport so einnistet.