Fussballverband Region Zürich

«Vielfach erzogen, um allen zu gefallen»

Die Weiterbildung im FVRZ ist um eine Einheit reicher: Auf Samstag des 31. Oktober lud die Abteilung Frauen nach Dübendorf ein. Auf dem Programm stand der «Durchsetzungsworkshop für Frauen im Fussball» – ein Anlass aus dem Projekt «Förderung Frauen- und Mädchenfussball».

(Text und Bilder von Bruno Füchslin, Medienberichterstatter FVRZ)

Einfach scheint dies nicht zu werden. Ein einziges Maskulin im Frauentreff soll berichten, was «frau» denn in Sachen Fussball so denkt, wahrnimmt, vergleicht und merkt, dass da noch immer Vieles nicht so ist, wie die Vorstellung eines Miteinanders sein könnte, ja weit mehr sein sollte. Vorab: Im Detail gelingen wird eine exakte Rekapitulation des vierstündigen Treffs nicht – aber es ist mehr als ein Versuch wert.
Eingeladen waren Trainerinnen, Schiedsrichterinnen und Funktionärinnen von FVRZ-Vereinen. Vom Verband waren Tanja Citherlet (Mitglied Regionalvorstand) sowie Claudia Gfeller (Leiterin Projekt Förderung Frauen-/Mädchenfussball) präsent. Nach der Begrüssung durch die Gastgeberin Jacqueline Parthier (Zürcher Kantonalverband für Sport ZKS) gings sanft, aber in der weiteren Folge stetig steigernd «ans Eingemachte». Mit Monika Domeisen von der Firma «ZweiStunden» stand eine ausgewiesene Referentin bereit, die zwischen aktivem Einbringen und geduldigem Zuhören den gesunden Mix fand. Notabene: Via der Homepage https://www.zweistunden.ch/ wird bekannt, dass Domeisens grosse Passion der … Tischfussball ist.

«Das Spiel mitmachen lernen»
Mit «Ich will aus euch keine Emanzen machen» startete Monika Domeisen ihr strukturiertes Referat. Gemäss den Lernzielen und der Agenda standen an sich einfache Themen an: sich durchsetzen lernen, die Kommunikationskompetenz stärken, Klartext sprechen, Körpersprache deuten und anwenden sowie den Umgang mit schwierigen Situationen und Personen. Einfache Themen? Vielleicht oberflächlich. Aber die Teilnehmerinnen liessen durchblicken, wie sie im Alltag da und dort an Grenzen stossen, die ihnen zu schaffen machen.
Domeisen machte deutlich, dass «die Männerwelt aus Wettbewerb besteht.» Diese Erkenntnis ist nicht neu, aber gleichermassen so aktuell wie seit Urzeiten. Und sie lässt jenen, die andere Lebensprioriäten spüren, leben und umsetzen wollen, zuweilen grössere Fragezeichen zurück. Wer den Ellenbogenzirkus allein vom Naturell her nicht mitmachen kann, kann nicht «einfach so» den eigenen Weg gehen. Domeisen: «Mädchen werden vielfach auch heute noch erzogen, um allen zu gefallen.» Ergo nahm das Wasser des Tagungsflusses mehr und mehr diese Richtung: Frauen müssen «nicht Männer werden», aber «deren Silberrücken-Spiel durchschauen und mitmachen lernen.»
Allein ein klares «nein» sagen – das Selbstverständlichste der Welt? – bereitet vielen Menschen (und nicht nur Frauen) Mühe. Es wird hin und her studiert, was Ehrlichkeit statt Freundlichkeit an Negativfolgen auslösen könnte. Wie paradox: Von andern nimmt man ein «nein» offenbar weit mehr an, als es selbst aussprechen zu können.

Unbeantwortbare Frage
Am Sitzungsende blieb dieses Fazit: Hab selten so einen interessanten Weiterbildungstag erlebt. Die «Männerwelt» zumindest ansatzweise aus Frauensicht zu erfahren, war zugleich sowohl komplex als auch einfach. Offen blieb und unbeantwortet bleibt diese Frage: Wie unterschiedlich sind die Geschlechter denn wirklich, und was davon ist wechselseitiges, nie endendes, zugleich inspirierendes wie auch zuweilen trauriges Ewigspiel?

Tagungslokal: das ZKS-Haus in Dübendorf.

Teilnehmerinnen mit Coronaabstand und grossem Interesse.

Jacqueline Parthier vom ZKS hiess willkommen.

«Gäll, kännsch mi nöd».

Notizen per FVRZ-Kugelschreiber.

Kein Maulkorb, aber möglichst virendichter Mundschutz.

Zehn Augen beobachten die Referentin.

Monika Domeisen weiss um die Stärken von Frauen.

Auch die Referentin Monika Domeisen trug – wo und wenn nötig – eine Schutzmaske.

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Besänftigende Absolution

von Bruno Füchslin, Medienberichterstatter FVRZ,

bfoxli@bluewin.ch  

Ist lange her seit dem vorletzten Mal, aber ich habe gewusst: irgendwann taucht es wieder auf. Irgendwann wird dies wieder zum Floskelspruch. Zu dieser – suggeriert – gleichermassen tief erklärenden wie völlig nichtssagenden verbalen Nullnummer. Ausgangslage: zugegebenermassen einige diskutable (= Diskussionen auslösende) Entscheide eines Unparteiischen. Dass die eine Partei dieselbe Szene völlig anders bewertet als die andere, liegt nicht zwingend, aber irgendwie doch in der so genannten «Natur der Sache». Hätte der Ref diese und jene Szene genau umgekehrt bewertet, würden auch umgekehrt die Meinungen der Beteiligten wieder ins Gegenteil wechseln. So flexibel sind Fussballer und deren Fans nun mal. Dies war immer so und dürfte auch so bleiben.

Lange nach dem Abpfiff wird noch immer diskutiert, doch nach und nach legen sich die Aufregungen. Da und dort geschehenes eigenes Unvermögen wird höchstens marginal erwähnt. Ob der Trainer in den anstehenden Übungseinheiten tiefer analysiert und konkret an Fehlern arbeitet, sei dahin gestellt. Als sich die ersten zum Aufbruch bewegen, sagt einer am Tisch: «Was willst du – Schiedsrichter sind auch nur Menschen.»

Hoppla. Da ist es wieder. Welches der acht Wörter ist aus diesem Spruch das Wichtigste? Es ist das «nur». Es will heissen: Holen wir den Übermächtigen auf den Boden zurück. Machen wir diese allmächtige Regelinstanz-Person – zumindest verbal – zu einem «zu uns Zugehörigen». Dieses «nur» radiert fast alle so interpretierten Fehlentscheide weg. Die drei Buchstaben in dieser Reihenfolge sind irgendwie so etwas wie eine Pauschalabsolution. Er hat zwar gesündigt, aber ist ein Mensch! Also weder Tier noch einer aus extraterrestrischen Zivilisationen Stammender. Ein mit Fleisch und Blut Gesegneter. Hat zwar ab und zu keine Ahnung, aber gibt sich Mühe.

Ich muss dann auch irgendwann die Szenerie verlassen. Zu Hause vor den Compi sitzen und Bilder bearbeiten. Auf der Heimfahrt saust mir in einer Innerorts-Zone – keine Ahnung, woher! – dieser Spruch ins Hirn: Fussballer (und deren Umfeld) sind auch nur Menschen. Ob dasselbe auf der Autobahn geschehen wäre, entzieht sich allgemeinen Erkenntnissen …