Fussballverband Region Zürich

Die Geschäftsstelle erfährt Mutationen und Rotationen

Der Fussballverband der Region Zürich (FVRZ) lud diese Woche zu den traditionellen Präsidentenkonferenzen. Von den 177 FVRZ-Vereinen waren deren 140 präsent.

(Text und Bilder: Bruno Füchslin, Medienberichterstatter FVRZ)

Der FC Kloten (Gruppe 1), der FC Wollerau (2), der SC Veltheim (3) und der FC Galatasaray (4) luden in dieser Reihenfolge von Montag bis Donnerstag die Vorsitzenden/Vereinsverantwortlichen der 177 Vereine zu den jährlichen Treffen ein. Tschüss Corona – nicht nur, aber auch Fussballvereine und deren Mitglieder warteten sehnlichst darauf, dass die zuletzt irritierenden Saisons mit einigen Wellen wieder in ihr angestammtes Bachbett zurückkehren mögen. Jetzt gehts zum Glück wieder so wie einst und (vorab) gewohnt.

«Herausfordernde Situation»
FVRZ-Präsidentin Rita Zbinden resümierte die Corona-Phase einleitend so: «Von den Bundesratsentscheiden abhängig und ohne jegliche Erfahrungswerte gestaltete sich diese Phase als eine höchst herausfordernde Situation. Dem Regionalvorstand war es wichtig, mit persönlichen Besuchen bei rund 70 Clubs deren Probleme zu erfahren.»
Auch Zbinden – im ersten Jahr als definitive Präsidentin tätig – ist voller Hoffnung, dass sich das Szenario so oder auch nur ähnlich nicht mehr wiederholt und sich die Verbandsführung mit all ihren Angestellten und vor allem ehrenamtlich Tätigen wieder ihren Kernaufgaben zuwenden können.
Ein wesentliches Element dazu ist die Erweiterung des Ausbildungsstandards. Diverse Angebote an Kursen und Workshops sollen weiterhin und in gesteigerter Form punktuelle Themen umfassend erörtern. Zbinden will die schon seit Langem angestossene konstruktive Zusammenarbeit zwischen Verband und Vereinen weiter vertiefen und sieht dazu als oberstes Ziel eine einheitliche Ausrichtung.

Abschied nach 27 Jahren
Geschäftsführer Patrick Meier blickte weit zurück und gab Zahlen Preis. 1995 beschäftigte der Verband drei Festangestellte und 55 Ehrenamtliche; heute sind dies deren acht beziehungsweise 70. Die Anzahl an Teams vergrösserte sich im erwähnten Zeitraum von 1’600 auf 2’550, die Anzahl an Spielerinnen/Spielern von 34'000 auf aktuell knapp 50’000.
Meier kündigte fürs laufende Jahr Mutationen/Rotationen auf der Geschäftsstelle an. Seit 1. Mai 1995 Geschäftsführer, scheidet er per 30. November aus und übergibt das Amt an den seit Juni 2018 bereits auf der Geschäftsstelle arbeitenden Benjamin Benz. Benz’ Aufgabenbereich «Strafenwesen» übernimmt ab 1. September neu Martin Lauber. Im Lauf des Jahres 2023 wird eine zusätzliche Person das Geschäftsstellen-Team ergänzen; Fokus hierfür ist die Erweiterung der Dienstleistungsangebote für die Vereine.

Eindrückliche Zahlen
Stefan Schötzau, seines Zeichens Leiter des Sportamts Kanton Zürich, wartete mit eindrücklichen Zahlen auf. So sind zum Beispiel bei Vereinszugehörigkeiten von Kindern und Jugendlichen bei Knaben 58 Prozent dem Fussball angeschlossen; weitere Sportarten liegen prozentual alle unter der 10-Prozent-Marke. Bei den Mädchen liegen Turnvereine (24 Prozent) gegenüber dem Fussball (deren 21) noch voran; nicht allein, aber auch auf Grund der Medienpräsenz bahnt sich diesbezüglich eine voraussehbare Wachablösung an.
Erfreulich ist die Tatsache, dass im Jugendalter Fitness und Gesundheit nachweisbar vor Leistung und Wettkampf stehen. Diese Erkenntnis dürfte sich schweizweit festgesetzt haben. Das Sportamt des Kantons Zürich schüttete im Jahr 2021 22,3 Millionen Franken für den Jugend- und Breitensport aus.

Projekt zeigt Wirkung
Zum Projekt «Förderung des Frauen-/Juniorinnenfussballs» informierte die im Verband dafür zuständige Claudia Gfeller. Auch wenn die Tendenz an Fussball spielenden Frauen und Mädchen seit Projektbeginn vor vier Jahren weiterhin kontinuierlich nach oben zeigt, bleiben bis zum Erreichen eines Plafonds nach wie vor enorme Kapazitäten.
Am vierten FVRZ-Kongress im vergangenen Herbst wurden in Workshops diese Themen bearbeitet: a) Rekrutierung Schiedsrichterinnen, b) Begeisterung von Frauen und Mädchen für den Fussball, c) Motivation und Rekrutierung Trainerinnen und d) Einbindung von Frauen nach der Aktivzeit (z.B. Vorstand, Seniorinnenfussball).
Erstmals findet am Sonntag des 3. Juli in Höngg ein Seniorinnenturnier statt. Für das Weiterbeschäftigen von Frauen im Fussball (z.B. Vorstandstätigkeit im Verein) ist es dem FVRZ wichtig, in Zukunft den Seniorinnenfussball anbieten zu können.

Das die Konferenzen traditionell abschliessende Nachtessen vertiefte diesen Fakt: Auf dem Feld zwar zuweilen «Gegner», sind in der Hintergrund-Vereinsarbeit jedoch mehr oder minder alle mit ähnlichen oder gar denselben Herausforderungen konfrontiert.

Weitere Informationen

  • Der Jahresgewinn fiel angenehm höher aus als budgetiert. Die Vereine wurden im vergangenen Jahr mit 147'000 Franken unterstützt.
  • Die Cupfinalspiele sind aufs Wochenende 23./24./25. Juni in Kloten terminiert.
  • Die FVRZ-Gala 2022 findet am Freitag des 2. Dezember wieder im Kongresshaus statt.

 

Die Referenten
Vom Verband:
Rita Zbinden (Präsidentin)
Patrick Meier (Geschäftsführer)
Bruno Früh (Finanzchef)
Claudia Gfeller (Projektverantwortliche «Frauen-/Juniorinnenfussball»)
Vom Sportamt Kanton Zürich:
Stefan Schötzau (Leiter)

 

Informationen (PP-Dokument)

 

Impressionen (Gruppe 2 beim FC Wollerau)

Am zweiten Konferenz-Abend war der FC Wollerau Gastgeber.

Die Anwesenden erhielten von FVRZ-Präsidentin Rita Zbinden Applaus für deren Einsatz.

Geschäftsführer Patrick Meier informierte über die Mutationen auf der Geschäftsstelle.

Stefan Schötzau wartete mit eindrücklichen Sportamt-Zahlen auf.

FVRZ-Finanzchef Bruno Früh konnte einen Gewinn präsentieren.

Tanja Citherlet referierte anstelle der Projektleiterin (Claudia Gfeller) zum Thema Frauen-/Mädchenfussball.

 

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Die fast vergessene Intuition

von Bruno Füchslin, Medienberichterstatter FVRZ,
bfoxli@bluewin.ch  

Also einfach mal angenommen: Ich wäre viel, viel, viel jünger und würde der Gilde der gesuchten Profifussballer angehören. Meine Referenzen wären: physisch stark, technisch hervorragend, Koryphäe im Kopfball, überall einsetzbar und mit weit überdurchschnittlicher Spielintelligenz ausgestattet. Einfach so ähnlich wie Luca Modric oder Andrés Iniesta. Dass ich all diese Vorzüge einst in der dritten und vierten Liga nicht wie erwähnt ausspielen konnte, muss ehrlicherweise beigefügt sein.

Aber zurück zur Annahme: Es käme ein Angebot von Atlético Madrid. Wär ja möglich. Dann müsste ich mich hinsetzen und überlegen, ob die Rojiblancos eine Adresse wären. Tönte interessant. Dann aber das Aber: Brauch ich das – den Diego Simeone draussen an der Linie? Diesen Zappelphilipp-Zampano, immer zwischen Kult, Unterhaltung und einfach nur nervend? Keine (Vor-)Urteile: Mag ja sein, dass der 52-jährige Argentinier privat ein mehr als angenehmer Zeitgenosse ist und von dem ich fussballerisch noch einiges hinzu lernen könnte.

Aber jeder macht sein Image selbst. Wenns mich schon ab und zu auf regionalen Fussballplätzen stört, dass Trainer – subjektiv wahrgenommen – viel zu viel aufs Feld rufen, fast unaufhörlich auf Fehler hinweisen, Spieler von da nach dort beordern – nein danke. Niemand hat etwas gegen punktuellen Fokus, der auch verbal kund getan werden soll. Aber zu oft werden Engagement und Temperament so ausgelebt, dass Verantwortliche teilweise fast wie süchtig erscheinen.

«Geh nach dahin, lauf nach dorthin, mach dies, mach jenes, weshalb so und nicht richtig». Richtig? Ach Trainer – sei einfach still. Fussball ist und bleibt ein Fehlersport, und kein Spieler hat je jemals etwas absichtlich «falsch» gemacht. Und dein Hinweis, dass das im Training doch alles geübt wurde und jetzt dennoch nicht klappt – na und? ICH spiele und nicht du. Von draussen ist alles Theorie. Und dein Tipp, dass man doch in dieser Szene hätte SO stehen müssen und nicht anders – die Szene ist längst vorbei. Und wenn ich nächstes Mal so stehe, wie du forderst, kommt situationsbedingt eventuell genau das Falsche heraus.

Trainer: Schau zu, was gespielt wird. Du kriegst in jedem Match Anschauungsunterricht, woran im nächsten Training gearbeitet werden müsste. Und eines noch: lass uns mehr spielen. Ja, einfach spielen. Die individuelle Intuition ist und bleibt das A und O. Fast schon tragisch, dass in so gut wie keinem Lehrgang, in so gut wie keinem Lehrbuch auf diese Komponente eingegangen wird. Und so ist und bleibt die Eigenerfahrung der unangefochten beste Lehrmeister.