Fussballverband Region Zürich

Herren-Endspiel knackte die 1000-Zuschauer-Grenze

Mit den abschliessenden fünf Samstagsspielen endete das Cupfinal-Wochenende der Saison 2021/22. Dieses wies Fairplay-Superlativen auf: In den 13 Partien wurde nur ein Feldverweis ausgesprochen, die Anzahl Verwarnungen war so gering wie kaum je zuvor.

Total wohnten den Spielen 3960 Zuschauer bei, was einen neuen Besucherrekord bedeutet. Bei den Aktiven Frauen gewann Wädenswil, bei den Aktiven Herren Wiedikon. Nur zwei der 13 Partien mussten per Penaltyschiessen entschieden werden. 79 Treffer brachten eine durchschnittliche Torquote fast exakt sechs Volltreffern pro Partie.

Die Samstagsspiele

Herren Aktive: die volle Dramatik des Fussballs

Das Duell der Zweitligisten-FCWs, beidseits von lautstarken Fangruppen begleitet, sollte am Samstagabend zum Höhepunkt des Cupfinalwochenendes avancieren. Aufregung bereits in der zweiten Minute: Wiedikon-Hüter Vicario konnte einen perfiden Abschluss von Xeno Fresneda grad noch so knapp an die Latte lenken. Danach waren Wiedikon leichte Vorteile zuzusprechen; das Team wirkte um ein Spürchen kompakter, weil in Offensivaktionen auch mehr Akteure involviert waren. Kurz vor der Pause kamen Speranza auf Wiedikon- und Misteli auf Wiesendangen-Seite zu so bezeichneten «aufgelegten Chancen», verpassten jedoch die Führung. Nach dem Wechsel ein ganz anderes Bild: Wiesendangen war jetzt zuweilen massiv tonangebend, die Partie dadurch deutlich intensiver. Einige Akteure beidseits sahen ihr Engagement mit Krämpfen «belohnt». Die letzten guten, aber nicht verwerteten Chancen hatten Kadi per Kopfball (88.) und wieder Xeno Fresneda (89.) – das Penaltyschiessen schien die logische Folge dessen. Aber dann kam jene letzte Szene, bereits in der dritten Minute der Nachspielzeit: Ein Foul von Fabian Meili bescherte Wiedikon einen Ballbesitz im Halbfeld. Der hoch in den Strafraum getretene Ball fand den Kopf von Ettore Bruni, der via Pfosten-Innenkante halb Wiedikon in Ekstase versetzte. So brutal kann Fussball sein: Die einen dem Himmel nahe jubelnd, die andern (im übertragenen Sinn) ins Gras beissend. Trotz teils intensiven Zweikämpfen gabs nicht eine gehässige Szene; auch nach der Partie hatten beide Fanlager keinen Grund, eine tolle Partie mit Unsportlichkeiten jedwelcher Art noch nachträglich kaputt zu machen. Chapeau beiden Teams für eine Werbepartie für den Amateurfussball.

Wiedikon – Wiesendangen 1:0 (0:0)
1010 Zuschauer. Schiedsrichter: Cristiano Azevedo. Assistenten: Pascal Fischer, Ismail Abu Zeid.
Tor: 90. (+3) Ettore Bruni 1:0.

Wiedikon: Vicario; Eberle, Fabio De Tommasi, Brahimi, Schmidts, Noah Kadi, Gian Luca De Tommasi, Speranza, Napoli, Geiger, Lüthi. – Einwechselspieler: Gisler, Cavalli, Kessler, Alizade, Bruni, Napoli, Günter.
Wiesendangen: Zgraggen; Kälin, Zinedin Fresneda, Nobs, Huber, Xeno Fresneda, Misteli, Osta, Tobias Meli, Fabian Meli, Trecek. Nnenkante. – Einwechselspieler: Frauenfelder, Grabo, Müller, Maurer, Enzler, Scherrer, Gfeller.
Bemerkungen: Wiedikon ohne Dylan Kadi und Okorie Uchenna (beide gesperrt), Orwa und Stirnemann (beide verletzt) sowie Ventura und Jonsson (beide abwesend). Wiesendangen ohne Barth, Unterberger, Oehninger, Bänteli und Dietz (alle verletzt) sowie Aca, Etzensberger, Toma und Furrer (alle abwesend). 2. Lattenschuss Xeno Fresneda. 79. Freistoss Kessler an die Latte. Verwarnungen: 44. Brahimi (Foul). 78. Nobs (Foul). 92. Fabian Meili (Foul). Sieger Wiedikon für erste Hauptrunde im Schweizer Cup qualifiziert.

 

Frauen Aktive: ein Cupfinal mit Niveau an Wädenswil

Eine höchst attraktive erste Halbzeit hätte mehr Treffer verdient als nur den einen. In Sachen erarbeiteter Möglichkeiten lag Wädenswil namentlich zu Spielbeginn leicht voraus, reüssierte jedoch nicht. Auch zwei weitere Chancen kurz vor der Pause blieben vorerst ungenutzt, ehe bereits in der Nachspielzeit dem Team vom Zürichsee nach einem Linksangriff das 1:0 gelang. Furttal kam durch so genannt «stehende Bälle» dem Wädenswiler Gehäuse ab und zu relativ nahe. Die Ausgangslage zum entscheidenden zweiten Teil sah namentlich in taktischen Belangen eine herausfordernde Situation für beide. Ein Weitschuss aus knapp 30 Metern übertölpelte die Furttal-Hüterin zehn Minuten nach dem Wechsel und bescherte dem führenden Team eine noch komfortablere Ausgangslage. Als Wädenswil daraufhin ein im Entscheid diskutabler Elfmeter zugesprochen erhielt und dieser den Weg ins Netz fand, war die Partie für das dann doch stärkere Team so gut wie gelaufen. Immerhin gelang Furttal eine Viertelstunde vor Schluss der verdiente und die Begegnung doch nochmals spannend machende Ehrentreffer, ehe ein diesmal klarer und nochmals verwandelter Foulpenalty dem allgemeinen Toreschiessen ein Ende bereitete.    

Wädenswil – Team Furttal Zürich 4:1 (1:0)
550 Zuschauer. Schiedsrichterin: Leonora Ismaili. Assistentinnen: Isabelle Hugentobler, Melissa Correira.
Tore: 45.(+2) Kälin 1:0. 54. Hölzle 2:0. 63. Morf (Foulpenalty) 3:0. 73. Sonderegger 3:1. 90. Mia Geiger (Foulpenalty) 4:1.  
Wädenswil: Portmann; Tanner, Kälin, Babic, Lillo Geiger, Obrist, Mia Geiger, Camor, Nydegger, Hölzle, Romy Geiger. – Einwechselspieler: Piliskic, Bernhard, Morf, Wang, Erni, Hösli, Carpanetti.
Team Furttal: Huber; Scherbaum, Mazzei, Kaliki, Albrecht, Beha, Sonderegger, Dischler, Sara Maag, Hürlimann, Häsler. – Einwechselspieler: Della Torre, Willi, Villanova, Akeju, Cindy Maag, Lampart, Tieri.
Bemerkungen: Wädenswil ohne Fischer, Häfeli und Winet (alle verletzt) sowie Menn und Aeschimann (abwesend). Team Furttal ohne Iventic, Rogatsch, Wüst und Colleoni (alle verletzt) sowie Stamm, Bazzani, Jost, Fässler, Kunz, Holder, Kamrchuk, Patrikeieiva und Pozdnikova (alle überzählig). 68. Pfostenschuss Kälin. Beide Teams für den Schweizer Cup qualifiziert.

 

Juniorinnen B: Horgen ohne Sorgen

Rechtes gegen linkes Zürichseeufer, Gold- gegen «Pfnüselküste», demnach Edelmetall gegen Erkältungsviren: In den Meisterschaften der «Übersee-Teams» schon vielfach eine besondere Partie, in einem Cupfinal zusätzlich mit mehr als einer Prise Brisanz angereichert. Nach Horgens frühem Führungstreffer war die erste Weiche für den nachmaligen Verlauf gestellt. Auch Stäfas erster (und einziger) Treffer – beim Stand von 0:3 erzielt – änderte nichts daran, dass Horgen einen fulminanten und verdienten Sieg mit nach Hause nehmen konnte.

Horgen – Stäfa 7:1 (4:1)
160 Zuschauer. Schiedsrichterin: Gentiana Iliri.
Tore: 5. Attinger 1:0. 17. Müller 2:0. 26. Heusser 3:0. 28. Jufer 3:1. 30. Forte 4:1. 66. Forte 5:1. 72. Heusser 6:1. 76. Forte 7:1.  
Horgen: Hirsiger; Schott, Heusser, Christen, Ramnobaja, Forte, Attinger, Benz, Pappone, Sohm, Müller. – Einwechselspieler: Beslic, Papale, Tarabini, Sohm, Mertens, Issler.
Stäfa: Heron; Ernst, Schmiedel, Jufer, Arquint, Lynn Greil, Nea Greil, Hürlimann, Stirnemann, Bauer, Marty. – Einwechselspieler: Adler, Vennemann, Lechner, Duval, Haenni, Fomasi.
Bemerkungen: Horgen ohne Luzzani (verletzt). Stäfa ohne Germann, De Belder und Juric.

 

Juniorinnen C: via Penaltys entschieden

Einer der Startangriffe führte bereits nach drei Minuten zur Südost-Führung. In der Folge bewegte sich das Geschehen mehrheitlich ausgeglichen, ohne nennenswerte Vorteile für dieses oder jenes Team. Dennoch war der Ausgleich nach einer halben Stunde auf Grund des gepflegteren Spiels von Albisrieden/Zürich City verdient. Die zweite Hälfte offerierte, je länger sie dauerte und auch auf Grund der fussball-hohen Temperaturen, einen zunehmenden Abnützungskampf, der nach absolvierter Spielzeit weder Sieger noch Verlierer kannte. Im finalen Penaltyschiessen musste sich Südost geschlagen geben.

Albisrieden/Zürich City – Südost Zürich 6:4 nach Penaltys (1:1, 2:2)
100 Zuschauer. Schiedsrichterin: Jeanine Okle.
Tore: 3. Lina Suter 0:1. 33. Gretler 1:1. 41. Zambotti 1:2. 52. Gretler 2:2.
Albisrieden/Zürich City: Martins Pinheiro, Kazaferovic, Erns, Eggenschwiler, Ryl, Guala, Gretler, Gysin, Lando. – Einwechselspieler: Schweer, Senn, Romano, Andreani, Taddeo.
Südost Zürich: Aellig; Graf, Juchli, Sofia Angst, Solene Suter, Lina Suter, Zambotti, Empoli, Rodriguez. – Einwechselspieler: Dober, Di Vincenzo, Valeria Angst, Ackermann, Hofmeyer.
Bemerkungen: Südost ohne Forster und Meinhausen (abwesend).

 

Juniorinnen D: knapp am Penaltyschiessen vorbei

Das nur knappe Endergebnis war Zeugnis einer mehr bis minder ausgeglichenen Partie. Sieger Albisrieden stellte dennoch das leicht robustere Team und gewann mit diesem einen Treffer Differenz verdient. Der entscheidende Treffer fiel nur wenige Minuten vor dem sich anbahnenden Penaltyschiessen.   

Albisrieden – Zürich City 2:1 (1:0, 0:0, 1:1)
150 Zuschauer. Schiedsrichterin: Cécile Winet.
Tore: 7. Ritz 1:0. 62. Shumolli 1:1. 67. Schönbächler 2:1.
Albisrieden: Ader; Zimmermann, Ritz, Roderer, Klenk, Riesch, Schönbächler, Camara, Naumburger. – Einwechselspieler: Studer, Linsbauer, Di Leone.
Zürich City: Koenig; Schumacher, Eichenberger, Wobmann, Mancoba, Schiess, Wieser, Perez, Hofer. – Einwechselspieler: Marti, Shumolli, Wilson, Valär, Wegmann.
Bemerkungen: Albisrieden ohne Mahamad (verletzt).

 

 

Resultattableau Cupfinals 2021/22

 

Übersicht der Partien vom Samstag:

Aktive Herren: Wiedikon – Wiesendangen 1:0
Aktive Frauen: Wädenswil – Team Furttal Zürich 4:1
Juniorinnen B: Horgen – Stäfa 7:1
Juniorinnen C: Albisrieden/Zürich City SC – Südost Zürich 6:4 nach Penaltys
Juniorinnen D: Albisrieden – Zürich City SC 2:1 

 

Übersicht der Partien vom Freitag:

Senioren 30+: Wald – Red Star 0:7
Senioren 40+: Rümlang – Srbjja 1:2
Senioren 50+ (11er): Albisrieden – Altstetten 7:1
Senioren 50+ (7er): Wettspiel-Bonstetten – Oetwil am See 8:6 nach Penaltys

 

Übersicht der Partien vom Donnerstag:

Junioren A+: Küsnacht – Glattbrugg 1:2
Junioren B: Dietikon – Herrliberg 1:6
Junioren C: Töss – Seefeld 0:1
Junioren D: Seuzach – FR Soccer 2:7

 

Fotos: Bruno Füchslin (Medienberichterstatter FVRZ)

Cupsieger Aktive Herren: FC Wiedikon

Cupsieger Aktive Frauen: FC Wädenswil

Cupsieger Juniorinnen B: FC Horgen

Cupsieger Juniorinnen C: BC Albisrieden / Zürich City SC

Cupsieger Juniorinnen D: BC Albisrieden

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Sascha darf nicht Sascha sein

von Bruno Füchslin, Medienberichterstatter FVRZ,
bfoxli@bluewin.ch  

«Spiele wie Neuer, ein bisschen offensiv», ruft der Trainer aufs Feld. Gemeint ist Sascha, Torhüter einer D2-Mannschaft. Ihn so im Spiel betrachtend, scheint sein Herzblut nicht zwingend auf diese Position fokussiert. Einer, der wegen Torhütermangels dahin verpflanzt wurde? Einer, der ausbaden darf, weil andere nicht wollen? Ausrüstungsmässig ist Sascha zwar tipp-topp eingedeckt, trägt jene modernen (und sauteuren) Handschuhe, die Ledermagnete eingenäht haben. Aber nicht immer machen Kleider auch Leute, nicht immer machen «Händsche» automatisch wortwörtliche erfolgreiche Ballfänger.

Es liegt nicht an Sascha, dass die Partie mit 3:9 verloren ging. Seine Feldspieler haben nicht die Klasse, dass er – wie vom Trainer gewünscht und gefordert – «Neuer» spielen kann. Sascha will Sascha spielen und nicht Neuer. Aber der Trainer hats im Fernsehen gesehen, wie ein moderner Torhüter im aktuellen Fussball agiert. Und scheint sich zu denken: Was Hänschen nicht lernt …

Sascha weiss nicht mehr, was er machen soll. Sein Bauchgefühl, wie man am besten interveniert, ist ihm vom Trainer abgesprochen worden. Einmal ging «Neuer spielen» knapp auf, ein zweites Mal verschätzte sich Sascha um zweieinhalb Meter, ein andermal kickte er über den Ball und offerierte dem Gegner so einen höchst billigen Treffer. Von den Mitspielern durfte er sich anhören, nicht «sonen Seich» zu machen und schön brav im Tor zu bleiben. Er sei schliesslich Torhüter und nicht Feldspieler.

Eine Viertelstunde nach Abpfiff sitzen die Jungs zusammen, trinken Cola, mampfen ein Hot-Dog. Die Hälfte töggelt auf dem i-Phone herum, andere habens sonst irgendwie lustig. Einer ist nicht dabei: Sascha. Ob er je wieder kommt, weiss er noch nicht. Je nach Gemütslage war dies sein letztes Fussballspiel. Vielleicht hat er genug, dass er nicht Sascha sein kann und Neuer sein muss.