Fussballverband Region Zürich

Die Erlebniswelt Fussball voll ausgekostet

Heiss wars, aber im übertragenen Sinn dennoch «cool»: Das traditionelle FVRZ-Saisonabschlussturnier für Mädchen und Frauen, am Sonntag des 3. Juli auf den Anlagen des Sportvereins Höngg ausgetragen, bewies einmal mehr weit mehr als seine Berechtigung. Bedürfnis wäre dafür die treffendere Bezeichnung …

(Von Bruno Füchslin / Medienberichterstatter FVRZ)

Seit mehreren Jahren hat der Verband diesen Sonntag «pro Frauenfussball» reserviert. Er ist sozusagen «Anhängsel» des am Freitag und Samstag ausgetragenen «Martin-Cup» – ein grümpelturnierähnliches Fussballwochenende des SV Höngg. Die unlängst fertig gestellte neue Infrastruktur des Garderobentrakts nahmen sowohl Spielerinnen wie Zuschauer mit Freude zur Kenntnis.
Von ganz jung (G-Juniorinnen) bis hinauf zum Experiment, dieses spielerische Stelldichein neu auch für Seniorinnen zu öffnen, war so gut wie alles vertreten, was sich der faszinierenden Sportart erstmals nähert, schon zum Freizeit-Alltag gehört oder aber ein so genanntes «Revival» provoziert. 32 Teams an Nachwuchsspielerinnen (A+/B deren 7, C 4, D 10 und E/F 11) spielten in Gruppen ihre Besten aus; die einen per die Rangliste komplett machenden Klassierungsspielen, die andern mit Gruppenpartien-Bilanzen.

Erstes offizielles Seniorinnenturnier
Dass es im SFV beziehungsweise den Regionalverbänden keine offizielle Seniorinnen-Kategorie gibt, bewegte sich immer wieder in Richtung «Manko». Claudia Gfeller (Leiterin Projekt «Entwicklung Frauen-/Juniorinnenfussball» des FVRZ), machte sich schon länger darüber Gedanken, diesen Zustand zu ändern. Auch diverse Sitzungen, Gespräche und von ehemaligen Spielerinnen angeregte Einwände beeinflussten den Gedanken, zu reagieren. Gemäss dem nationalen Verband SFV beenden Frauen ihre Aktivkarriere durchschnittlich im Alter von plus/minus 25 Jahren – und finden danach keine Fussball-«Verwendung» mehr. So gehen sie in den Vereinen meist auch für weitere Einsätze (Funktionärinnen, Trainerinnen) verloren.
Abhilfe schafft nur die Praxis: In Höngg wurde am Sonntagnachmittag der schweizweit erste offizielle Turnierversuch gestartet. 13 Teams spielten in zwei Gruppen ihre Grünrasen-Renaissance; Teams aus angrenzenden Kantonen waren ebenso vertreten wie bekannte Namen aus dem FVRZ-Gebiet. Für dieses Experiment wurde 7-er Fussball gewählt; zugelassen waren auch Spielerinnen, die nie einem offiziellen Verein angehörten.
Claudia Gfeller resümierte das Turnier beziehungsweise eben diese Premiere wie folgt: «Der Start zur FVRZ-Kampagne ‹Seniorinnen› ist geglückt. Es war grossartig zu sehen, wie auch die etwas älteren Spielerinnen immer noch viel Freude und Spass an der schönsten Nebensache der Welt haben – und das fussballerische Geschick auch noch nicht verlernt haben. Zusammen mit den Teilnehmerinnen und dem Seniorinnen-Komitee werden wir nun unsere Schlüsse aus dieser Premiere ziehen, damit wir baldmöglichst ein tolles Format für die Seniorinnen in der Region Zürich anbieten können».

Ranglisten

Juniorinnen A+/B  
1. Winterthur-Wiesendangen, 2. Embrach, 3. Albisrieden, 4. Schlieren 1, 5. Birmensdorf/Urdorf, 6. Höngg, 7. Schlieren 2.
Juniorinnen C
1. Schlieren, 2. Höngg, 3. United Schwerzenbach-Volketswil, 4. Albisrieden.
Juniorinnen D
1. Albisrieden, 2. Höngg, 3. Blue Stars Zürich Frauen, 4. Schlieren, 5. United Schwerzenbach-Volketswil 1, 6. United Schwerzenbach-Volketswil 2, 7. Zürich City, 8. Phönix Seen, 9. Urdorf, 10. Niederweningen.
Juniorinnen E/F
1. Unterstrass, 2. Männedorf, 3. Schlieren 2, 4. FR Soccer, 5. Albisrieden, 6. Höngg 2, 7. Höngg 1, 8. Urdorf, 9. Küsnacht, 10. Schlieren 1, 11. Blue Stars Zürich Frauen.
Seniorinnen
1. Schwyz, 2. Old but Seebach, 3. Volketswil, 4. Zürichsee United, 5. Blue Stars Zürich Frauen, 6.  Regensdorf, 7. Einsiedeln, 8. Eschenbach, 9. Richterswil, 10. Unterstrass, 11. Fislisbach, 12. Rheinfelden, 13. Fehraltorf.

Impressionen vom Turnier

Die Freude nach dem gewonnenen Penaltyschiessen.

Seniorins Direktabnahme: nichts von einst verlernt.

Seniorinnen-Duell fast auf wortwörtlicher Augenhöhe.

Hellbraun-Bär als Maskottchen mit dabei.

Wichtige Teambesprechung vor dem ersten Spiel.

Einlaufen per Tanzeinlage.

Siegerbild Juniorinnen E mit Pokalen und fröhlichen Gesichtern.

Lattenschuss beim Penaltyschiessen.

Einsatz total bei den Juniorinnen E.

Ein guter Einwurf ist schon ein halber Angriff.

Zwei von vielen Helferinnen und Helfern.

Claudia Gfeller, Leiterin Projekt «Entwicklung Frauen-/Juniorinnenfussball» des FVRZ.

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Sascha darf nicht Sascha sein

von Bruno Füchslin, Medienberichterstatter FVRZ,
bfoxli@bluewin.ch  

«Spiele wie Neuer, ein bisschen offensiv», ruft der Trainer aufs Feld. Gemeint ist Sascha, Torhüter einer D2-Mannschaft. Ihn so im Spiel betrachtend, scheint sein Herzblut nicht zwingend auf diese Position fokussiert. Einer, der wegen Torhütermangels dahin verpflanzt wurde? Einer, der ausbaden darf, weil andere nicht wollen? Ausrüstungsmässig ist Sascha zwar tipp-topp eingedeckt, trägt jene modernen (und sauteuren) Handschuhe, die Ledermagnete eingenäht haben. Aber nicht immer machen Kleider auch Leute, nicht immer machen «Händsche» automatisch wortwörtliche erfolgreiche Ballfänger.

Es liegt nicht an Sascha, dass die Partie mit 3:9 verloren ging. Seine Feldspieler haben nicht die Klasse, dass er – wie vom Trainer gewünscht und gefordert – «Neuer» spielen kann. Sascha will Sascha spielen und nicht Neuer. Aber der Trainer hats im Fernsehen gesehen, wie ein moderner Torhüter im aktuellen Fussball agiert. Und scheint sich zu denken: Was Hänschen nicht lernt …

Sascha weiss nicht mehr, was er machen soll. Sein Bauchgefühl, wie man am besten interveniert, ist ihm vom Trainer abgesprochen worden. Einmal ging «Neuer spielen» knapp auf, ein zweites Mal verschätzte sich Sascha um zweieinhalb Meter, ein andermal kickte er über den Ball und offerierte dem Gegner so einen höchst billigen Treffer. Von den Mitspielern durfte er sich anhören, nicht «sonen Seich» zu machen und schön brav im Tor zu bleiben. Er sei schliesslich Torhüter und nicht Feldspieler.

Eine Viertelstunde nach Abpfiff sitzen die Jungs zusammen, trinken Cola, mampfen ein Hot-Dog. Die Hälfte töggelt auf dem i-Phone herum, andere habens sonst irgendwie lustig. Einer ist nicht dabei: Sascha. Ob er je wieder kommt, weiss er noch nicht. Je nach Gemütslage war dies sein letztes Fussballspiel. Vielleicht hat er genug, dass er nicht Sascha sein kann und Neuer sein muss.