Fussballverband Region Zürich

«Corona hat viele Menschen negativ verändert»

Seit offiziell 20 Jahren ist Christian Frei für den Verband tätig. Als aktueller Koordinator für die die Senioren 40+ und 50+ sowie den Firmenfussball hat er sich im Lauf der Jahre eine grosse Routine angeeignet.

(Text und Foto: Bruno Füchslin / Medienberichterstatter FVRZ)

Er ist unübersehbar. Taucht Christian Frei irgendwo auf, ist er meistens wortwörtlich überragend. Wer stolze 1,93 Zentimeter misst, kann – ohne es zu wollen – auf andere herab schauen. Dies gilt für den 67-jährigen Rentner allerdings nur für die physischen Belange. In seinen Tätigkeiten für den FVRZ versteht er sich in allen Belangen als jahrzehntelang engagierter Dienstleister an Verband und Vereinen.
In Schwamendingen aufgewachsen, trat Frei als C-Junior dem FC Oerlikon bei. Weitere Fussballstationen waren (während der «Stifti») der FC Kantonalbank, der SV Rümlang (damals 3. Liga) sowie der SV Seebach (die zweite Mannschaft spielte ebenso in der 3. Liga). Wohl auch durch seine Physis bedingt, fühlte er sich in defensiven Positionen (Mittelfeld, Abwehr) eher zu Hause als in Offensivbelangen. Ende der 90-er Jahre schloss er seine Karriere bei den Veteranen des FC Zürich-Affoltern ab. 
Indes gabs auch weitere «Fussball-Ausflüge»: Zwischen 1979 bis 1985 betätigte sich der hier Porträtierte als Schiedsrichter, und zwischen 1974 bis 1997 war Christian Frei beim SV Rümlang, dem SV Seebach, dem FC Zürich-Affoltern und dem FC Rüti als Juniorentrainer der Kategorien D, E und F tätig.

Erste Administrativaufgaben
Weit früher als die offiziellen 20 FVRZ-Jahre war Frei in Administrativbelangen tätig. Als Spikosekretär des SV Seebach (1978 bis 1982 und 1997/98), Spikopräsident beim FC Zürich-Affoltern (1982 bis 1997) und als Juniorenobmann bei Blue Stars (1998 bis 2000) erarbeitete er sich praktisches Fachwissen und -können. Ebenso koordinierte er während Jahren (1989 bis 2006) die Spiele der F-Junioren von diversen FVRZ-Vereinen unter dem Namen «Junioren-U8-Meisterschaft».
Als ihn Willy Scramoncini im Jahr 2002 für eine Aufgabe im FVRZ anfragte, sagte Frei zu und übernahm für zwölf Jahre die Koordination der E-Junioren. Nicht zuletzt in Folge grosser Zufriedenheit der Verbands-Zuständigen wurden ihm weitere Verantwortlichkeiten übertragen. Als Mitglied der Abteilung Spielbetrieb betreut Christian Frei aktuell die Senioren 40+ und 50+ sowie den Firmenfussball.

«Man muss auf Vieles achten»
Und was ist denn nun die Primäraufgabe eines Koordinators? Gruppeneinteilungen und Spielpläne erstellen. Schreibt sich leicht – doch was verbirgt sich konkret hinter der Arbeit? «Mit allem Drum und Dran ist dies fast eine mathematische Aufgabe», sagt Frei.
Fest steht vorab die Anzahl Teams; die Seniorengruppen haben Jahr für Jahr eine Fixzahl an Teams. Ergo gilt nun, möglichst regionale Gruppen zusammen zu stellen und auf Besonderheiten oder nachvollziehbare Gründe der Vereine Rücksicht zu nehmen. Darunter fallen Freiwünsche oder zum Beispiel «alles Auswärtsspiele» wegen Platzrenovationen. «In witterungsbedingt besonders heiklen Gegenden wie zum Beispiel Einsiedeln, Feusisberg-Schindellegi oder Wald gilt es, im November und März möglichst keine Heimspiele anzusetzen, da vielfach verschoben werden muss», meint Frei.

Von den Clubs sehnlichst erwartet
Stehen die Gruppeneinteilungen, werden sie provisorisch veröffentlicht, nachdem diese die internen FVRZ-Kontrollinstanzen durchlaufen haben. Nach Ablauf der Einsprachefrist gehts ans Erstellen der Spielpläne. Dazu hat Christian Frei eine eigene Excel-Datei kreiert, via der pro Gruppe so rund eine Stunde an Arbeit anfällt. Innert wenigen Tagen sind die Wettspielkalender erstellt und gehen zum Abgleich mit den anderen Koordinatoren des FVRZ, bevor sie – von den Clubs sehnlichst erwartet – publik gemacht werden.
Und was ist, wenn Reklamationen oder nachträgliche Bitten eingehen? «Chrigel, chasch nüd … – oft höre ich dies und jenes. Aber es nützt nichts, Kollegen hin oder her. Korrektheit ist meine oberste Maxime. Ich bin der Aufgabe verpflichtet, und die will ich so neutral und präzis wie nur möglich erfüllen», meint Frei.
Ist die aufwändigste Arbeit des Jahres erledigt, kann sich Christian Frei nicht zurücklehnen. Im Pflichtenheft des Koordinators stehen unter anderem auch die Aufgaben als Inspizient; pro Halbjahr sind fünf Augenscheine pro Kategorie Pflicht: «In dieses Ressort fallen die allgemeinen Rahmenbedingungen wie Infrastruktur, die korrekte Platzzeichnung, das Verhalten der Zuschauer und weitere Details, die für eine korrekte Spielabwicklung massgebend sind.»

Mithelfende gesucht
2021 wurde Christian Frei die Verbands-Ehrenmitgliedschaft zugesprochen. Kein Grund für den Geehrten, auszuruhen: «Bis auf Weiteres mache ich diese Arbeiten ohne festes ‹Ende der Fahnenstange›. Erwähnen möchte ich, dass der Verband aktuell Ehrenamtliche für eben diesen Bereich der Verbandsarbeit sucht. Geeignet wären Spiko-Personen oder Leute mit anderen Erfahrungen im Spielbetrieb.»
Und ansonsten: Gabs und gibts nachdenklich Machendes? «Ich habe festgestellt, dass Corona viele Menschen negativ verändert hat. Das Virus mit seinen Folgen hat eine Eigenbrötler-Tendenz geschaffen. Die Aggressivität hat zugenommen, ebenso Respekt- und Disziplinlosigkeit. Das merken sowohl Funktionäre wie auch Schiedsrichter. Wenn ich beispielsweise höre, dass ‹Ihr im Verband angestellt sind und gutes Geld verdient›, muss ich mit Fakten kontern. Rund 70 Ehrenamtliche geben einen Grossteil ihrer Freizeit her, reissen sich den verlängerten Rücken auf, damit Hunderte von Spielerinnen und Spielern ihrem Hobby nachgehen können. Es gibt viele Besserwisser, die von der Grundstruktur eines Verbands so gut wie keine Ahnung haben. Ja, das macht wirklich nachdenklich, manchmal auch traurig, manchmal durchaus auch ‹veruckt›. Aber nach wie vor überwiegt die positive Seite: Viele Vereine freuen sich, wenn der Frei auftaucht – vielleicht als Person, sicher aber als ‹einer vom Verband›. Fussball ist Zwischenmenschliches, ist Kommunikation, ist Einander-Begegnen – einfach das, was Menschsein mit gleichen Interessen ausmacht», resümiert er, der seinen 240 FVRZ-Monaten «noch etwas anhängt». Vielleicht lesen Sie in fünf Jahren vom 25-Jahre-Jubiläum – eher wahrscheinlich als nur möglich?

Steckbrief Christian Frei
Geboren am 25. Mai 1955
Beruf: Pensionär, vormals kfm. Angestellter
Wohnort: Gebenstorf AG
Zivilstand: verheiratet
Verein: FC Dietikon
Hobbies: Jassen, Skifahren, Wandern, Natur geniessen und gut essen
Stärken: Korrektheit und Genauigkeit
Schwächen: manchmal ungeduldig
Lebensmotto: «Leben und leben lassen – das Leben geniessen und die Leute nehmen, wie sie sind»

Christian Frei klopft gerne ein möglichst gutes Blatt.

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Die fast vergessene Intuition

von Bruno Füchslin, Medienberichterstatter FVRZ,
bfoxli@bluewin.ch  

Also einfach mal angenommen: Ich wäre viel, viel, viel jünger und würde der Gilde der gesuchten Profifussballer angehören. Meine Referenzen wären: physisch stark, technisch hervorragend, Koryphäe im Kopfball, überall einsetzbar und mit weit überdurchschnittlicher Spielintelligenz ausgestattet. Einfach so ähnlich wie Luca Modric oder Andrés Iniesta. Dass ich all diese Vorzüge einst in der dritten und vierten Liga nicht wie erwähnt ausspielen konnte, muss ehrlicherweise beigefügt sein.

Aber zurück zur Annahme: Es käme ein Angebot von Atlético Madrid. Wär ja möglich. Dann müsste ich mich hinsetzen und überlegen, ob die Rojiblancos eine Adresse wären. Tönte interessant. Dann aber das Aber: Brauch ich das – den Diego Simeone draussen an der Linie? Diesen Zappelphilipp-Zampano, immer zwischen Kult, Unterhaltung und einfach nur nervend? Keine (Vor-)Urteile: Mag ja sein, dass der 52-jährige Argentinier privat ein mehr als angenehmer Zeitgenosse ist und von dem ich fussballerisch noch einiges hinzu lernen könnte.

Aber jeder macht sein Image selbst. Wenns mich schon ab und zu auf regionalen Fussballplätzen stört, dass Trainer – subjektiv wahrgenommen – viel zu viel aufs Feld rufen, fast unaufhörlich auf Fehler hinweisen, Spieler von da nach dort beordern – nein danke. Niemand hat etwas gegen punktuellen Fokus, der auch verbal kund getan werden soll. Aber zu oft werden Engagement und Temperament so ausgelebt, dass Verantwortliche teilweise fast wie süchtig erscheinen.

«Geh nach dahin, lauf nach dorthin, mach dies, mach jenes, weshalb so und nicht richtig». Richtig? Ach Trainer – sei einfach still. Fussball ist und bleibt ein Fehlersport, und kein Spieler hat je jemals etwas absichtlich «falsch» gemacht. Und dein Hinweis, dass das im Training doch alles geübt wurde und jetzt dennoch nicht klappt – na und? ICH spiele und nicht du. Von draussen ist alles Theorie. Und dein Tipp, dass man doch in dieser Szene hätte SO stehen müssen und nicht anders – die Szene ist längst vorbei. Und wenn ich nächstes Mal so stehe, wie du forderst, kommt situationsbedingt eventuell genau das Falsche heraus.

Trainer: Schau zu, was gespielt wird. Du kriegst in jedem Match Anschauungsunterricht, woran im nächsten Training gearbeitet werden müsste. Und eines noch: lass uns mehr spielen. Ja, einfach spielen. Die individuelle Intuition ist und bleibt das A und O. Fast schon tragisch, dass in so gut wie keinem Lehrgang, in so gut wie keinem Lehrbuch auf diese Komponente eingegangen wird. Und so ist und bleibt die Eigenerfahrung der unangefochten beste Lehrmeister.