Fussballverband Region Zürich

Menschen@FVRZ (Bericht 2)

«Kein Kick» gilt auch für Marco Keck.

Stolze 38 Teams weiss der FC Stäfa sein Eigen. Eine beeindruckende Zahl, die enorm viel Administrationsarbeit erfordert. Auch jetzt, in Zeiten der Corona-Massnahmen, hat Vizepräsident Marco Keck viel zu informieren und organisieren.

Vom Status Quo zum «Status Go» – welcher Verein hofft nicht auf wieder einigermassen normalen Spielbetrieb? Alle beschäftigt dieselbe Frage. Im Sandwich zwischen den beiden Faktoren «Gesundheit» und «Öffnung der Massnahmen» sind zuständige Behörden in der Bearbeitung und Finden von Entscheiden nicht zu beneiden. Was sie auch immer machen: Die Kritiker und zuweilen dubiosen «Besserwisser» (die Schweiz scheint ein einziges Mekka von Virologen und Pandemiexperten …) stehen schon parat, bevor irgend eine ausgesprochene Sanktion aufgehoben oder Diesbezügliches Kund getan wird. Wieder mal gilt: Behörden können tun und lassen, was sie wollen – für Viele ist es von vornherein schon falsch …

An diesem herrlichen Frühlingsmorgen liegen auf dem Vorplatz des FC Stäfa zwei «vergessene» Korkzapfen der synthetischen Art. Da müssen feine Tröpflis des Französischen Weinherstellers J. P. Chenet getrunken worden sein. Sie stammen aus einem Zeitfenster, als «der Fussball» noch Fussball war und alles seinen gewohnten Lauf nahm. 

Marco Keck erscheint mit einem Lächeln auf den Lippen. Der 35-jährige, seit 2014 in einem 60%-Angestelltenverhältnis arbeitende Geschäftsführer des FC Stäfa scheint sich mit der Situation längst abgefunden zu haben und kann ihr – zumindest im privaten Bereich – gar Positives abgewinnen: «Ich arbeite seit Wochen reduziert, habe meinen 40%-Zweitjob als Sportlehrer bis Ende April per unbezahltem Urlaub ausgesetzt – ich kann die Nachmittage mit der Familie verbringen.» Eben diese ist vor zwei Monaten um einen Sohn «erweitert» worden – sehr zur Freude von Mama, Papa und der zweijährigen Tochter.

125-Jahre-Jubiläum in Etappen
Ausgerechnet im 125-Jahre-Jubiläumsjahr des FC Stäfa kommen all diese Einschränkungen. «Da die Veranstaltungen übers Jahr verteilt sind, hängen wir betreffend kommenden, schon fest in der Agenda platzierten Anlässen ziemlich ‹in der Luft›. Auch der offizielle Festanlass am 1. Oktober ist davon betroffen. Immerhin konnten wir am 31. Dezember letzten Jahres die als Auftakt zum Jubiläumsjahr geplante Silvesterparty noch unbeeinflusst durchführen und freuten uns auf das, was kommen sollte – aber sicher nicht auf Corona», zieht Marco Keck Bilanz und verweist sowohl Mitglieder wie Aussenstehende auf die Jubiläums-Homepage http://125jahre.fc-staefa.ch/de/home.
Natürlich hat Corona auch Marco Keck in seinen Arbeiten stark beeinflusst. Es galt, auf all die Folgen sowohl vereinsintern wie nach aussen zu reagieren. Die internen Massnahmen wurden gemäss den Vorgaben von Behörden und Fussballverbänden (SFV und FVRZ) angepasst und fanden bei den Mitgliedern – wenn auch nicht von Jubelausbrüchen begleitet – die nötige Akzeptanz.

Die neue Saison im Visier
Aber Marko Keck wäre nicht wortwörtlich «keck», wenn er nur Negatives sehen würde. Das gerüttelt Mass an Zusatzarbeit sieht er als «Weiterbildung der besonderen Art». Auch hier gibts eine Kehrseite der Medaille: «So verringerte sich die Arbeit eines normalen Meisterschaftsbetriebs. Gleichzeitig haben die Verantwortlichen Zeit wie noch nie, sich auf die neue Saison zu konzentrieren. Gespräche mit Trainern beziehungsweise Kaderplanungen können wir in Ruhe, aber dennoch fokussiert angehen.»
So scheint die Situation für Marko Keck irgendwie wie das berühmte «halbvolle Glas», bei dem immer die persönliche Interpretation des Betrachters dies oder jenes als wichtiger erachtet. Über unveränderbare Fakten zu lamentieren, ist nicht die Art des meist als Linksverteidiger eingesetzten Fussballers. Seit 1992 hielt und hält er dem FC Stäfa die Treue, spielt noch bei den Senioren 30+ mit und ist – wie alle andern – froh, wenn sich dieser Corona-Schatten dereinst wieder davon macht. Lieber früher als später …

(Bericht/Fotos von Bruno Füchslin, Medienberichterstatter FVRZ)

Noch hängen neben der Clubhaus-Eingangstür die Corona-Benimmregeln – wie lange noch?

Marco Keck kann der Situation auch Positives abgewinnen.

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Die «Hundertprozentige» versiebt

von Bruno Füchslin, Medienberichterstatter FVRZ,
bfoxli@bluewin.ch
  

Blöd gelaufen. Kurz vor Schluss, 3:2 für die Gastmannschaft. Reaktion des Heimteams: Defensive möglichst geordnet aufgeben, strukturiert alle Mann nach vorn. Ausgleich gelingt noch nicht, aber der Druck wird immer grösser. Und da geschiehts: Ballverlust in Folge von Unaufmerksamkeit. Der Konter läuft. Gleich drei Gästeakteure sind unterwegs, in der Mitte der Ballbesitzende, links und rechts die Anspielstationen. Nur ein Defensivler geht notgedrungen ins 1:1; der wird auch noch überspielt. Aber der Platz wird eng, man ist bereits in Strafraumnähe. Der Torhüter steht äusserst geschickt und scheint auf alles gefasst.

Und was geschieht? Es gibt keinen Treffer. Der mit dem Ball am oder in der Nähe des Fusses sucht und macht den Abschluss; der Ball geht knapp übers Tor. Und jetzt? Aufschrei auf der Spielerbank und der Tribüne. Pfiffe des eigenen Anhangs. Die Mitlaufenden versinken fast im Boden und hadern vor sich hin. Wieder so ne Szene, in der die 89-jährige Grossmutter das Leder mit links eingeschoben hätte. Die Frage lautet unisono: weshalb spielt der nicht ab? Ganz einfach.

Ganz einfach? Rekapituliert man das eben Gesehene, ists so einfach nur für jene, die nicht aktiv beteiligt waren. Muss ja den Ball nur rüberschieben (aber bitteschön auf ein mögliches Abseits achten). Hätte er geschoben und der Mitspieler nicht getroffen: «Weshalb schiesst der nicht selbst, weshalb spielt er ab?»

Und so lässt sich feststellen: Die Mitlaufenden eröffnen zwar Anspielmöglichkeiten, sind aber zugleich auch höchst verunsichernde Negativelemente. Erst sie lassen den Ballbesitzenden zweifeln, was denn in dieser Szene die beste Option ist. Er muss in Sekundenbruchteilen entscheiden – und zieht so ab und zu den Schwarzen Peter. Der beschriebene Konter wäre eventuell erfolgreicher verlaufen, wenn die Mitspieler gar nicht erst mitgekontert und so des Schützen Konzentration nicht torabschluss-entscheidend beeinflusst hätten.