Fussballverband Region Zürich

Je lauter, desto gaga

von Bruno Füchslin, Medienberichterstatter FVRZ,
bfoxli@bluewin.ch  

Zeiten waren das: Nach und nach Eintrudeln in die Garderobe, Grüezi sagen, ein Witzchen da und ein Schalk dort. Kurzer Austausch des seit dem letzten Training Erlebten. Der Trainer gibt bekannt, was er will und wie er es möchte. Dann wird umgezogen, ab nach draussen, Einlaufen (ohne Spezialtrikots), Passkontrolle – und los gehts.

Ist doch heute noch so. Vielleicht ein bisschen vermodernisiert, aber prinzipiell unverändert. So bereitet man sich vor im Breitenfussball, der nicht nur in die Breite gespielt werden soll – auch Steilpässe sind erlaubt. Und doch: es ist in einem Bereich ganz dramatisch anders geworden.

Einer trägt immer eine Musikmaschine mit. Muss nicht, aber darf ein Monstermöbel sein. Ab dem Drücken der Starttaste darf man sich anschreien, denn miteinander schwatzen scheint verpönt. Gehört heute zum guten Ton, denn der Ton ist gut (?) und vor allem laut. Der für die «Unterhaltung» Zuständige darf zeigen, was er in Sachen Geschmack und Volumendrehen so drauf hat. Ein Schelm, der vermutet, dass der Name (Lady) Gaga etwas mit dem allgemeinen Verhalten eines Fussballers in der Garderobe zu tun hat.

Kaum ist der Trainer mit seinen Ausführungen fertig, spurtet wieder einer zur Maschine und drückt «play». Ja keine Stille. Ja keine Ruhe. Kopf volldröhnen macht aggressiv. Schiints. Vielleicht macht Kopf volldröhnen auch dumm – das lässt sich wissenschaftlich nicht belegen. Als alle die Garderobe verlassen haben und das Möbel noch immer lautstark Rhythmen spuckt und Töne kotzt, scheint das Ziel erreicht. Jetzt sind alle so aggressiv und fixiert, dass man gar vergisst, diesen elenden Lärmkübel abzustellen. Für irgendwas hat man ja einen Platzwart. Der läuft eh schon permanent mit montierten Schallschutzmuscheln herum – immerhin: Wenn er damit Rasen mähen muss, ist das Geräusch jenes Motörchens wie eine Sinfonie troppo silenzio.

Man könnte meinen: Da hat ein ganzes Team, inklusive Trainer und Betreuer, nicht mehr alle Tassen im Schrank. Oder, auf den Fussball bezogen: Da fehlen bei einigen ein paar Töggeli. Nicht an der Schuhsohle, sondern im Kopf. Der Captain meint nach Spielschluss gegenüber der Lokalpresse, dass im Team «immer eine gute Stimmung» herrsche. Vielleicht so: Wenn man nicht mehr miteinander redet, gibts auch keine Konflikte.