Fussballverband Region Zürich

Gruppeneinteilungen definitiv
(Rückrunde Saison 2021/2022)
 

Gesundheit kontra Spektakel

von Bruno Füchslin, Medienberichterstatter FVRZ,
bfoxli@bluewin.ch  

Neu ist das Thema nicht. Auch die «Sport inside»-Sendung des WDR vom Sonntagabend des 16. Januar wird eher eine kleine Welle denn einen Tsunami auslösen. Die Recherche beleuchtete den Stand der Untersuchungen, welche gesundheitlichen Folgen Kopfbälle nach sich ziehen können.

Fussball ohne Kopfball? Den Eingefleischten stehen dann, wenn sie noch welche haben, die Haare zu Berge. Ein wesentliches und attraktives Element eliminieren? Man nähme ihm Salz und Aromat aus der Suppe. Ausgerechnet eben dieser Sport, der regeltechnisch lieber mit «Finöggeli»-Änderungen daher kommt und diesbezüglich – beispielsweise – die Abseitsregel seit Jahr und Tag zur unangefochtenen Tabuzone erklärt hat, soll kopf(ball)los werden?

In Grossbritannien laufen seit Jahren im relativ Stillen Beobachtungen und Analysen. Exakt im so betitelten «Mutterland des Fussballs», dort, wo physische Dynamik seit jeher eine dominierende Komponente aller Partien darstellt, traten prominente Fälle auf. Vom Weltmeisterteam 1966 starben Nobby Stiles, Jack Charlton, Ray Wilson und Martin Peters an Demenz; auch der noch lebende Bobby Charlton ist von dieser unheimlichen Krankheit betroffen. Eine Studie belegt, dass das Risiko, an Alzheimer, Parkinson und/oder anderen Demenzerkrankungen zu sterben, bei Fussballprofis dreieinhalb Mal höher liegt als normal.

John Stiles, Sohn des erwähnten «Terriers» Nobby Stiles, sieht einen Zusammenhang: «Mein Vater dürfte im Lauf seiner Karriere wohl über 60’000 Kopfbälle gemacht haben.» Auch als Laie erkennbar: Jeder Schlag auf den Kopf zieht eine minimale bis nachweisbare Erschütterung nach sich. Addiert man diese 60'000 zu einem Schlag, wird der unmittelbar eintretende Tod unausweichlich sein. Er kann aber auch – über Jahre und Jahrzehnte verteilt – schön schleichend daher kommen.

Es wird weiter geforscht. Wie der Zwiespalt zwischen eventuell einschneidenden Regelanpassungen und einem gröberen Aufschrei gegen jedwelche Reform gelöst wird, ist unbekannt. Wenn, dürften die grossen wie nationalen Verbände auch den Amateurfussball mit einbeziehen. Auch Letzterer hat in jüngsten Jahren massiv an Physis zugelegt.

So könnte dem geflügelten Wort von «den Ball flach halten» im schlimmsten – gesundheitlich besten – Fall eine zusätzliche Bedeutung zukommen.

www.dw.com/de/demenz-die-verdraengte-gefahr-im-profifussball