Fussballverband Region Zürich

Heldenstatus mit Fragezeichen

von Bruno Füchslin, Medienberichterstatter FVRZ,
bfoxli@bluewin.ch  

Ferenc Puskas, Alfredo Di Stefano, Pelé, Johan Cruyff, Bobby Charlton – Fussball-Namen, die der älteren Leserschaft noch die Zunge schnalzen lassen. Es sind nicht nur Erinnerungen an die «Weisch-na»-Zeit. Fussball war damals anders, gebar erwähnte Helden und Idole jener Zeit. Müssig die Frage, wie all die herausragenden Persönlichkeiten in der heutigen Interpretation dieses Sports abschneiden würden; es ist anzunehmen, dass einige von ihnen in der Popularitätsskala nicht mehr diesen Status erreichen würden.

Gewiss: Auch der heutige Fussball bringt Leute hervor, die anderen voraus sind. Und auch ein Mannschaftssport («das Kollektiv ist der Star») lebt von jenen, die individuell einerseits begeistern und umgekehrt die gegnerischen Fans provozieren. All die «Fussballer des Jahres» haben ihren Titel zurecht erhalten und daraus ihren publizistischen wie finanziellen Profit gezupft.

Dennoch: Aus einem Mannschaftssport Einzelne auszuwählen – von der Torhüterposition abgesehen; auch dies wäre diskutabel – scheint bei tieferem Hinterfragen eigentlich völlig widersinnig. Verschiedene Positionen ziehen verschiedene Aufgaben nach sich. Wer (theoretisch) ohne Foul den Robert Lewandowski am Torschuss hindert, wäre in dieser Partie qualitativ besser einzustufen als der für einmal nicht treffende Bayern-Torgarant. Nichts Neues: Defensivleute kommen durchschnittlich weit schlechter weg als jene, von deren Fuss aus die Emotionen hoch- oder tiefgehen.

Wer käme je auf die Idee, aus einem Synchronschwimmerteam eine Frau als «besonders überragend» herauszupicken, wo doch alle nur im Synchronen auch als präsentiertes Kollektiv bewertet werden? Ein hinkender Vergleich? Wir sind an die Fussball-Helden und deren Status gewöhnt – dies ist das Einzige, was hinkt. Im Grundgedanken ist der Tore schiessende Künstler nicht mehr noch weniger Wert als der defensive Mittelfeldler, der nie auffällt, selten Aufmerksamkeit geniesst und, systembedingt, mit einem immensen Laufpensum noch und noch zum Löcherstopfen abkommandiert ist.