Fussballverband Region Zürich

Voll in Richtung «gläserner Kicker»?

von Bruno Füchslin, Medienberichterstatter FVRZ,
bfoxli@bluewin.ch  

Der (Spitzen-)Fussball macht vor zunehmender Digitalisierung keinen Halt. «Besser sein als der Gegner» treibt seine elektronischen Blüten. Klare Vorgabe: die Fehler minimieren. Fernziel, wenn auch unausgesprochen: eine gar seltsame Form von gläsernem Kicker. Zwar noch Mensch, aber tendenziell Richtung Roboter. Programmiert aufs Feld, taktisch so geschult, damit nie mehr Stellungsfehler geschehen. Vorausschauen, Spiel lesen, darauf reagieren. Defensiv so kompakt stehen wie die zwei Verteidiger und die fünf Mittelfeldler am Töggelikasten. Statt an einer Stange fixiert natürlich in allen Belangen beweglich.

Utopie? Ja und nein, sowohl als auch. Der FC Barcelona beispielsweise beschäftigt fünf Spieleanalytiker. Diese filmen, schneiden, führen Statistiken bis zum Gehtnichtmehr, werten fokussiert aus, wo denn noch Verbesserungspotenzial lauert. Das nominelle Trainerteam wird entsprechend informiert, wer denn wann und wo und wie und warum noch die berühmte «Luft nach oben» ausschöpfen sollte oder was an Vorgaben von wem und wie erfüllt wurde. Aktuell Ronald Koeman bleibt die Aufgabe, all die verwinkelten und aufgedeckten Erkenntnisse seinem Team so zu erklären, dass es auch jeder versteht und – wichtig! – umgesetzt werden kann. Aber ist nicht nur bei Barcelona so. Alle bekannten Spitzenteams nehmen die Chance zur tatsächlichen oder vermeintlichen Optimierung wahr.

Geschieht Fussball tatsächlich nur noch via Hirn? Mir fehlt etwas: die Schulung der Intuition. Was soll ich abrufen, wenn die Augenblickszenen eventuell etwas anderes verlangen als «programmiert»? Genau diese Momente lassen sich zwar theoretisch analysieren und erklären – aber sie bleiben ausserhalb des umgesetzt Fassbaren. Verlassen kann ich mich nur aufs Gegenwärtige, auf meinen Körper, der so oder anders – vielleicht richtig, vielleicht falsch – reagiert. Der eigene Körper weiss viel mehr als die Brigaden an Erfassern und Auswertern.

So viel wie möglich Fussball spielen. Vielleicht müsste man nicht als Gegensatz, aber als Hauptfokus viel mehr einfach «tschuutten». Erfahrungswerte (= Verbesserungen) müssen dort erarbeitet werden, wo sie stattfinden: auf dem Feld. Oder: mindestens eine Stunde in jedem Training gehört allein jenem Spiel, das ja verbessert werden will. Wo sonst soll es stattfinden, wenn nicht da?